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Der neue Kia Rio kann sich sehen lassen

Auf die vierte Generation des Kia Rio konnten wir bereits auf dem Genfer Autosalon im März einen genaueren Blick werfen und schon da war klar, hier wird einer für Wirbel sorgen. Im B-Segment zuhause, möchte er vor allen Dingen dem Platzhirsch aus Wolfsburg die Stirn bieten. Dabei verlässt sich Kia nicht nur auf das Design, abgesehen vom guten Platzverhältnis und dem sehr attraktiv gestalteten Preisniveau, bieten die Koreaner mit dem EcoDynamic Motor, der lediglich 85 g/km CO2 ausstößt, die derzeit schadstoffärmste Version an.

Mit dem Crossover-Modell Soul, dem Kompakt-MPV Venga und dem nun neuen Rio, der ab dem Frühjahr 2012 auch in einer Dreitürer-Variante erhältlich sein wird, ist Kia mit dieser Fahrzeugvielfalt im stetig wachsenden B-Segment so gut aufgestellt, wie kein Zweiter.
Ade konservativer Look, Hallo moderne Designsprache. Während der Vorgänger eher unscheinbar und bieder, mit typischem Kleinwagencharme im Alltag regelrecht unterging, mausert sich die vierte Generation zum absoluten Hingucker und wird mit Sicherheit das Image sowie den Bekanntheitsgrad der Marke weiter steigern.

Ohne sich in Schnörkeleien zu verlieren, wirkt das extravagante Design klar strukturiert, aber dennoch sehr charakterstark. Die Optik schließt sich dabei dem neuen Markendesign von Kia an und lässt den Wagen doch sehr eigenständig dastehen.

Leider birgt das schicke Blechkleid und hier besonders das Heck den Nachteil sehr unübersichtlich zu sein, da kommt einem dann die, allerdings aufpreispflichtige, Rückfahrkamera absolut entgegen.

Wenn wir auch während der Präsentation einen Blick auf die farblich abgesetzten Armaturen werfen durften, so müssen die Kunden hierzulande leider darauf noch verzichten und mit einem recht schwarzen Interieur vorlieb nehmen. Wirklich schade, da die farblichen Akzente den Innenraum spürbar aufwerteten. Mit Applikationen im Chrom- oder Metall-Look haben sich dieDesigner ebenfalls sehr zurückgehalten.

Dagegen vereint die Armatureinheit moderne aber auch Retro-Elemente, wie z.B. die Kippschalter der Klimaeinheit. Die Optik erinnert stark an alte Kassettenrekorder, traf unseren Geschmack allerdings nicht so ganz. Beim Zusammenspiel der einzelnen Stilrichtungen fehlte uns etwas die Harmonie, doch das ist mal wieder reine Geschmackssache und soll keine generelle Kritik darstellen.

Wofür jedoch das kleine tiefe Loch rechts neben der Audioeinheit ist, bleibt fraglich, da dieses weder Kleingeld noch ein Handy ideal aufnimmt.

Die Handhabung der sonst gut im Blick liegenden Bedienelemente erklärt sich ansonsten von selbst und wirft keine Fragen auf. Richtig schick gibt sich auch die groß dimensionierte Instrumenteneinheit mit drei Anzeigen in Röhren-Optik.

Die unschöne Hartplastiklandschaft ist zwar gewichen und die Material-/Qualitätsanmutung entspricht einem guten Niveau, doch dem Polo kann der Rio immer noch nicht das Wasser reichen.

Dafür kann der Koreaner mit vielen serienmäßigen oder je nach Ausstattung optionalen Annehmlichkeiten aufwarten, die sich das deutsche Pendant teuer bezahlen lässt. So ist das Lenkrad angenehm in der Höhe wie auch in der Weite justierbar (abgesehen von der Basisversion) und sogar beheizbar wie auch die Vordersitze. Dazu kommt das schicke Tagfahrlicht mit LED bestückt, eine Geschwindigkeitsregelanlage ist an Bord und der Startknopf mit Smart Key (beim Spirit Serie) ermöglicht ein schlüssellosen Zugang zum Fahrzeug. Die Navigation mit 7-Zoll-Touchscreen verfügt zudem über eine praktische Rückfahrkamera.

Die für einen Kleinwagen ausreichend groß dimensionierten Sitze könnten zwar gerne noch mehr Seitenhalt aufweisen, entsprachen aber im Großen und Ganzen den erwarteten Anforderungen.

Nicht weniger komfortabel nehmen wir auf der Rückbank Platz. Der angewachsene Radstand macht sich hier deutlich bemerkbar und so kommen auch im Fond lange Beine wunderbarunter. Nur die Kopffreiheit bietet bei 1,80 Meter nicht mehr all zu viel Luft und der seitliche Dachverlauf kommt einem störend nah.

Stauräume finden wir wahrlich viele vor, ob im Innenraum, der u.a. über Getränkehalter in allen vier Türen, die vorn bis zu 1,5-Liter-Flaschen fassen oder im Fond Platz für 0,5-Liter-Flaschen bereithalten, oder aber im Kofferraum. Dieser bietet ein angewachsenes Ladevolumen von jetzt 288 Liter und lässt sich mittels asymmetrisch geteilter Rückbanklehnen auf bis zu 923 Liter erweitern. Eine völlig ebene Ladefläche kommt dann allerdings nicht zustande.

An eine recht hohe Ladekante, resultierend aus den gegebenen Sicherheitsstandards, müssen wir uns nicht nur beim Rio gewöhnen. Diese ist aber im Falle des Kia immerhin gut geschützt.

Während bei der Karosserie wie auch dem Innenraum nichts mehr beim Alten belassen wurde, hielten die Ingenieure in Sachen Fahrwerk an Bewährtem fest und erreichten durch Detailveränderungen und einer Neuabstimmung einen angenehmen Kompromiss. Die elektrisch unterstützte Zahnstangenlenkung der vierten Generation ist dabei mit einem kombinierten Drehmoment-Winkel-Sensor ausgestattet und ermöglicht in der engen City angenehm leichtgängig und dennoch präzise ein spielerisches Handling.

In der Vergangenheit noch nicht immer Serie, heute stets in allen Rio verbaut, die elektronische Stabilitätskontrolle, die bei unserem rasanten Trip durch die engen Kehren Portugals den Kleinen, der dabei gutmütig zu untersteuern begann, stets sicher auf Kurs hielt ohne aber dem Fahrer völlig das Ruder aus der Hand zu nehmen. Eine Traktionskontrolle sowie eine Berganfahrhilfe und die Gegenlenkunterstützung VSM ergänzen das System.
Während die Bremsanlagen der Benzinmotoren und dem 1.4 CRDi mit Scheibenbremsen rundum, vorn innenbelüftet, versehen sind, muss sich der kleine Diesel mit Trommelbremsen an der Hinterachse begnügen. ABS inklusive der elektronischen Bremskraftverteilung und demBremsassistent sind dagegen bei allen Varianten serienmäßig.

Zur Einführung des neuen Kia Rio stellen die Ingenieure dem Fahrzeug zunächst eine Motorenpalette zur Seite, die neben zwei Benzinern, einen Vierzylinder-Diesel sowie den rundum neuen 1.1 Liter Dreizylinder CRDi umfasst.

Letzteres Aggregat stellt nicht nur die schadstoffärmste Version des neuen Rio dar, sondern sichert dem Kleinen mit lediglich 85 g/km den Titel „sauberstes Fahrzeug im Markt“ – mal abgesehen von den Elektrofahrzeugen.

Doch nicht nur bei dem Einstiegsmotor steht Verbrauch und Effizienz im Vordergrund, auch die größeren Aggregate halten sich mit Ihrem Durst sowie dem CO2-Ausstoß zurück – leider jedoch auch mit dem Durchzug. Wenn diese Auslegung für einen Kleinwagen an sich auch in Ordnung und nachvollziehbar ist, so bietet Kia dem Kunden dennoch nicht einmal die Möglichkeit auf einen spritzigeren Motor zurückzugreifen.

Doch kommen wir zurück zum neu entwickelten, sparsamen und effizienten 1,1-Liter-Dreizylinder. Bereits die 75 Pferdestärken und das maximale Drehmoment von lediglich 170 Nm lassen erahnen, dass der Einstiegsdiesel es gerne etwas gemütlicher angehen lässt. So vergehen 16,2 Sekunden für den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100. Überraschenderweise fühlte sich das in der Praxis aber spritziger an, als es in Zahlen ausgedrückt klingen mag. Die Höchstgeschwindigkeit erlangt der Kleinwagen bereits bei 158 Stundenkilometer, was ihn im Alltag aber noch ausreichend mitschwimmen lässt.

So liegt die Betonung der Bezeichnung „EcoDynamic-Modell“ ganz klar auf „Eco“ als auf …, aber hier überzeugt die Einstiegsversion 1.1 CRDi Attract mit dem bereits erwähnten CO2-Ausstoß von 85 Gramm pro Kilometer und einem kombinierten Verbrauch von gerade mal 3,2 Litern.

Ein Wert, den wir bei unserer ersten Ausfahrt allerdings nicht ganz erreichen konnten, was mitunter auch daran lag, dass wir bei den heißen Temperaturen in Portugal „mit“ Klimaanlage unterwegswaren. Ein Kriterium, das von vorne herein den von Kia ermittelten Verbrauch ausschließt.

Dennoch reduzieren sowohl die Maßnahmen des Eco-Frontgrills und des Heckspoilers, der Einsatz von Leichtlaufreifen, die Schaltpunkt-Empfehlung und last but not least das Start-Stopp-System ISG den Verbrauch erheblich. Die mit der Start-Stopp-Automatik gekoppelte Zeitanzeige gibt dem Fahrer darüber hinaus Auskunft über die reale Standzeit.

Während selbst der kleine Einstiegsdiesel mit einem schön geführten Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert ist, muss einzigst der 1,2-Liter-Benziner mit fünf Schaltstufen auskommen.

Die für den 1,4-Liter-Ottomotor optional erhältliche Vierstufen-Automatik konnten wir im Rahmen unserer Testfahrt nicht erfahren, sind uns aber sicher, dass diese dem kleinen Rio nur noch mehr an Durchzug nimmt und dazu den Verbrauch unnötig in die Höhe treibt.

Front- und Seitenairbags vorn, durchgehende Vorhangairbags und Gurtstraffer auf den vorderen Sitzplätzen gehören ebenso zum serienmäßigen Umfang, wie ein Gurtwarnsystem, Isofix-Halterungen und das aktive Bremslicht ESS. Der Fußgängerschutz wurde beim neuen Rio ebenfalls bedacht und dementsprechend bei der Konzeption berücksichtigt.

Lassen Sie uns ein kurzes Resümee ziehen. Während der Koreaner in punkto Optik, Platzverhältnisse und Effizienz die Nase vorn hat, reicht er betreffend Innenraumanmutung, Fahrwerksauslegung und Leistung nicht an den Volkswagen heran, in punkto Sicherheit liegen sie wohl gleich auf. Zünglein an der Waage könnte man sagen, ist der Preis und hier haben die Wolfsburger absolut das Nachsehen.

Kia unterbietet mit dem neuen rundum verbesserten Rio nicht nur spürbar den Preis des direkten Vorgängers, sondern ist mit über zweitausend Euro deutlich günstiger als der Polo. Dieser Preisvorteil steigt je nach Ausstattung und Motorisierung sogar auf bis zu 3.500,- Euro an. Eine Differenz, die in diesem Segment Welten bedeutet, aber natürlich istauch uns klar, dass sich das beim Wiederverkauf natürlich wieder relativiert.

Doch kommen wir nun zu den reinen Fakten und Zahlen.

Der Einstiegsbenziner in der Attract-Ausstattung beginnt bei 9.990,- Euro, ein wirklich unschlagbarer Preis. Doch Achtung, der Preis gilt nur für den Dreitürer! Die fünftürige Version kostet jeweils 700,- Euro mehr.

Inklusive CD-Radio mit USB-Anschluss, einem Multifunktionslenkrad, elektrisch einstellbaren Außenspiegeln oder der Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung beinhaltet die Basis bereits einige Dinge, die wir bei einem Polo nicht immer als selbstverständlich erachten dürfen.

Eine Klimaanlage ist in der Attract-Variante nicht an Bord. Wer hierauf jedoch nicht verzichten möchte, muss gleich tiefer in die Tasche greifen und 3.070,- Euro mehr drauf legen und zwar für die nächst höhere Ausstattung Edition 7. Diese bietet verständlicherweise noch weitere zahlreiche Extras, doch die freie Wahl an optionalem Zubehör lässt Kia dem Kunden damit nicht und bietet einzig die Metallic-Lackierung allen Ausstattung optional an.

Denn das Technikpaket mit einer Geschwindigkeitsregelanlage, dem schlüssellosen Zugangssystem und Sitzheizung oder das Navigationssystem mit 7-Zoll-Bildschirm inklusive der Rückfahrkamera ist nur für die Topausstattung Spirit erhältlich.

Diese Topvariante verwöhnt den Käufer zudem mit einer Klimaautomatik, einem Start-Stopp-System für die beiden Benziner, LED-Tagfahrlicht sowie -Rückleuchten, Abbiegelicht, Regensensor, Parksensoren hinten, elektrische Fensterheber rundum, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung (ab Dezember diesen Jahres inklusive Spracherkennung), ein beheizbares Lederlenkrad und noch so einiges mehr.

Zu beachten wäre dann noch die jeweils mögliche Motorenkombination, denn nicht jede Ausstattung ist mit jedem Motor verfügbar.

So erstrecken sich die Preise von den 9.990,- Euro für den dreitürigen Rio in der Basisausstattung mit dem kleinstenMotor bis hin zum Top-Modell mit dem großen Diesel und in der Spirit-Variante für 18.390,- Euro. Zu alledem punktet Kia in mittlerweile gewohnter Manier mit der vorbildhaften 7-Jahre-Herstellergarantie.

Stand: September 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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