// Fahrbericht / Der Herausforder Cadillac ATS

Cadillac

Der Herausforder Cadillac ATS

Mit der Limousine ATS möchte Cadillac nun erneut in Europa Fuß fassen und zwar in kaum einem geringeren, als dem von den deutschen Marken dominierenden Segment der Mittelklasse. Sein Design ist dabei unverwechselbar, das Infotainment-System CUE einzigartig und die Fahrdynamik überraschend. Wahlweise front- oder allradangetrieben und stets mit einer Brembo-Bremsanlage versehen, kommt aber der ATS leider auch nicht ohne Schwächen aus. Letztlich wird aber wohl die fehlende Kombi- sowie Dieselvariante Cadillac den Angriff auf BMW, Mercedes und Co. schwer machen. Zumal die Anzahl der Cadillac-Händler in Deutschland noch sehr gering ist.

Der neue ATS ist unverkennbar ein Cadillac, keine andere Marke steht so sehr zu ihren Ecken und Kanten. Dabei sticht der markante Look des ATS im alltäglich Verkehr enorm hervor. Schon im Stand demonstriert der moderne Straßenkreuzer seine Power, und so wie das Tagfahrlicht die Scheinwerfer einrahmt, so umspannen Chromleisten die Kühler.

Das große Markenemblem prangt stolz im Kühlergrill sowie am Heck. Für eine starke Prägung sorgen dabei an beiden Karosserieenden der starke V-Knick. Auf Stimmigkeit setzten die Designer auch bei den vertikal verlaufenden Scheinwerfern sowie den Rückleuchten.

Die coupéhafte Dachlinie und der massive Body lassen den ATS schnittig und bullig zugleich aussehen, schick gelöst ist auch der angedeutete Difussor mit den beiden dicken Auspuffrohren. Rammschutzleisten sucht man aber leider vergebens, und so ist das schicke Blech ständig in Gefahr durchunachtsame Zeitgenossen mit Parkremplern verschandelt zu werden.

Auch im Innenraum legt Cadillac großen Wert auf Eigenständigkeit und behält auch hier gewisse scharfe Konturen bei. Weiche Materialien in unterschiedlichen Farben, schicke Chromakzente und Dekoreinlagen von Klavierlack über echtes Holz bis hin zu gebürstetem Metall bieten dem Kunden nicht nur eine großzügige Auswahl an Gestaltungsmöglichkeiten, auch deren Verarbeitungsqualität kann zunächst überzeugen.

Die Schaltwippen aus Magnesium entsprechen sogar absolutem Premium-Flair. Nur die noch vereinzelt auftretenden Hartplastikelemente wollen dazu nicht so recht passen und müssten noch weichen.

Wenn Ihr „iPad“ keine Motorengeräusche von sich gibt, fahren Sie wohl keinen neuen Cadillac ATS. Denn dieser stets mit dem neu entwickelten Infotainment-System CUE ausgestattet, vernetzt den ATS nicht nur mit Ihrem Handy sondern ermöglicht auch die Steuerung diverser Einstellungen wie beispielsweise der Klimaanlage oder dem Navigationssystem mittels großem Touchscreen-Display. Was wiederum ein Wegfallen zahlreicher Schalterelemente zur Folge hat.

Wie von einem Tablet-PC bekannt, ist die Handhabung simpel und einzig ein Fingerstreich ist nötig. Allerdings reagieren noch nicht alle Sensoren auf Anhieb. Doch wenn wir ehrlich sind, auch bei den Apple-Produkten läuft nicht immer alles auf Anhieb fehlerfrei.

Mit der Möglichkeit via Bluetooth bis zu zehn Geräte an das Fahrzeug zu koppeln werden sich auch die Mitfahrer an dem neuen System erfreuen.

Außerdem birgt das CUE-System in Form eines Staufaches hinterdem Display ein weiteres raffiniertes Detail. Zugang erlangt man ebenfalls über einen Fingerwisch.

Die Vordersitze bieten nicht nur guten Komfort auf langen Autobahnetappen, sondern halten uns auch in Kurven gut fest. Die elektrischen Einstellmöglichkeiten sind je nach Ausstattung sechs- oder achtfach ausgeführt.

Ohne in eine unangenehme Enge zu geraten, nehmen wir vorne auch als Großgewachsener bequem Platz. Im Fond müssen wir dagegen sowohl im Beinraum als auch was die Kopffreiheit betrifft etwas einbüßen.

Rekordwerte fährt der ATS mit 381 Liter Stauvolumen auch mit Blick auf den Kofferraum nicht ein, lässt sich aber dennoch dank umlegbarer Rücksitze vergrößern.

Amerikanisches Fahrgefühl in Form einer sehr weichen Abstimmung entspricht seit jeher nicht dem Gusto der europäischen Käuferschicht, dessen sind sich auch die Verantwortlichen bei Cadillac bewusst und staffierten daher die Limousine serienmäßig mit dem adaptiven Fahrwerkssystem Magnetic Ride Control aus. Hiermit kann der Fahrer ganz nach Bedarf zwischen Komfort und Sportlichkeit variieren.

Die gebotene Fahrdynamik überrascht dabei, knackig sportlich lässt sich der ATS mit Leichtigkeit durch die Kurven jagen. Die neu entwickelte Fünflenker-Hinterachse sowie die Mehrlenker-Doppelgelenk-Achse mit McPherson-Federbeinen vorn leisten hier hervorragende Arbeit.

Die elektrische Servolenkung von ZF arbeitet dabei nicht nur geschwindigkeitsabhängig, sondern auch sehr präzise. Die elektronische Stabilitäts- sowie die Traktionskontrolle helfen das Fahrzeug auf Kurs zu halten, des weiteren bestehtdie Option den ATS um einen Allradantrieb zu ergänzen.

Vor überraschenden Notbremsungen müssen Sie sich dank der serienmäßig verbauten Brembo-Bremsanlage keineswegs fürchten, angenehm in der Dosierbarkeit verzögert die Bremse die Limousine stets souverän.

Während Cadillac dem Kunden hinsichtlich des Fahrwerks noch die Wahl überlässt, nimmt man ihm bei der Frage nach dem Motor jegliche Wahl aus der Hand.

Das derzeit einzig angebotene Vierzylinder-Aggregat hat mit 203 kW bzw. 276 PS Leistung sowie einem maximalen Drehmoment von 353 Newtonmeter in jedem Fall einiges zu bieten. Auch die vom Hersteller angegebenen Werte von gerade mal 6,1 Sekunden für den Sprint von Null auf Tempo 100 sowie die Höchstgeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern lassen einiges erwarten.

Allerdings konnte der ATS dann unseren Erwartungen doch nicht ganz gerecht werden. Was wir aber schlussendlich der Sechstufen-Automatik zur Last legen. Denn diese nimmt dem Fahrzeug spürbar den Elan und lässt bei der Suche nach dem richtigen Gang den ATS störend laut aufheulen. Ein manueller Eingriff via Schaltpaddels schafft hier zum Glück etwas Abhilfe.

Wer ohnehin lieber das Ruder übernimmt, sollte von vornherein die Limousine an das manuelle und gut geführte Sechsgang-Getriebe koppeln. Hierbei ist jedoch nicht zu vergessen, dass in dieser Konstellation die Möglichkeit entfällt, auf den Allradantrieb zurück zu greifen.

Ob als Handschalter, mit Wandler-Automat oder allradangetrieben, größtes Manko ist und bleibt letztlich der Verbrauch. Denn die angegebenen Werte zwischen 8,2 und 8,6 Litersind kaum realisierbar. Vielmehr sollte man einen Durchschnittswert von 13,5 Liter einkalkulieren. Womit der Cadillac ATS ordentlich Futter verlangt und im Vergleich mit den Hauptmitbewerbern deutlich das Nachsehen hat.

Wenn sich die Verantwortlichen auch derzeit zu keiner Äußerung haben hinreißen lassen, was das Anbieten eines Dieselaggregates angeht, so werden sie mit Blick auf eine notwendigen Markterfolg bei diesen Verbrauchswerten nicht um solch eine Motorvariante herumkommen.

Keineswegs fürchten muss der Cadillac ATS den Vergleich in Sachen Sicherheit. Denn auch die neue Mittelklasse-Limousine wartet mit zahlreichen Assistenzsystemen auf, die wie beispielsweise das Warnsystem „Safety Alert Seat“, das den Fahrer bei Gefahr mittels Vibrationsalarm im Sitz warnt, stets serienmäßig an Bord ist.

Ausstattungsabhängig ist das Sicherheitspaket „Driver Awareness“ inklusive Frontkollisionswarner, Rückfahrkamera, Toter-Winkel- und Spurassistent und Ausparkwarner ebenfalls im Preis inbegriffen oder aber optional aufrüstbar.

Des weiteren steht den Versionen Premium und Performance gegen einen Aufpreis von 3.130,- bzw. 3.540,- Euro ergänzend das „Fahrerassistenz“-Paket zur Wahl. So leitet der ATS bei niedrigen Geschwindigkeiten nicht nur eine automatische Gefahrenbremsung ein, sondern verfügt über die Automatische Kollisionsvorbereitung und das Sicherheitslichtsystem AFL mit Xenonscheinwerfern.

Ob Basis oder Topausstattung, Dreipunkt-Sicherheitsgurte auf allen Plätzen inklusive Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer vorn, zweistufigen Frontbags, Knieairbags sowohl fürFahrer wie Beifahrer, Seitenairbags, seitliche Kopfairbags mit Überrollschutz-Sensor und Isofix-Kindersitzbefestigungen sowie eine aktive Motorhaube,die dem Fußgängerschutz zu gute kommt, sind wiederum in allen Cadillac ATS verbaut.

Sein Selbstbewusstsein steht dem neuen ATS durchaus gut zu Gesicht, ohne dieses wäre es ihm wahrlich nicht möglich, gegen die deutschen Größen wie BMW, Mercedes und Audi anzutreten.

Und durchaus wird der neue Cadillac ATS auch trotz einzelner Mängel dem angepeilten Premium-Flair gerecht und polarisiert zudem mit seinem markanten Design.

Überraschend ist jedoch die Tatsache das die Amerikaner den Mitbewerbern nicht über den Preis den Rang ablaufen möchten, sondern hier mit mindestens 37.500,- Euro auf Augenhöhe liegen.

Wenn Cadillac zunächst mit diesem Angebot auch ordentlich zuschlägt, liest sich die Ausstattungsliste der handgeschaltenen Einstiegsversion Elegance wie das Verzeichnis eines deutlich höheren Niveaus.

Sei es das Infotainmentsystem CUE mit 8-Zoll-LCD-Touchscreen, das Premium Infotainment System von Bose, eine Zweizonen-Klimaautomatik, eine Brembo-Bremsanlage, eine Einparkhilfe hinten oder ein Tempomat, ja sogar die Metallic-Lackierung ist hier bereits inbegriffen.

Die darauf aufbauende Variante Sport Luxury ab 41.160,- Euro ist für 45.270,- Euro außerdem mit dem ansonsten für 2.080,- Euro angepriesenen Automatikgetriebe sowie dem Allradantrieb versehen.

Während die dritte Ausstattungslinie Performance wiederum rein über Frontantrieb verfügt, ist die Topversion Premium inklusive Head-up-Display, demNavigationssystem sowie einem Bose-Surround-Sound-System ebenfalls in Verbindung mit der Sechsstufen-Automatik als Allradversion erhältlich, erreicht dabei jedoch einen stolzen Preis von 50.970,- Euro.

Stand: November 2012; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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