// Fahrbericht / Der Franzose aus Rumänien – Dacia Sandero

Dacia

Der Franzose aus Rumänien – Dacia Sandero

Renault baut unter dem Namen Dacia Autos, die sofort durch ihren günstigen Preis auffallen. Ab 7.500,- Euro startet der Sandero, der anders als der Logan aber keineswegs billig aussieht, auch innen nicht, und sich im Gegenteil sogar gut verarbeitet zeigt. Abstriche muss man bei der angebotenen Sicherheitsausstattung machen (Kopfairbags, ESP). Der Fahrkomfort ist wie das Platzangebot gut, der Kofferraum für einen Kompakten groß aber mit kleinen Macken, der 1,6-Liter Benziner ist im Stand sehr leise, gefordert sehr laut, die gebotenen Leistungen sind, abgesehen vom fehlenden Durchzug im fünften Gang, ganz ordentlich, der Verbrauch des 87 PS Vierzylinders ist aber vor allem in der Stadt zu hoch.

Mit dem Sandero hat Dacia die zweite Baureihe auf den Weg gebracht, von Familienähnlichkeit mit dem Logan ist aber weit und breit keine Spur – und das ist gut so. Denn wo das erste Modell auch in Sachen Optik eher billig daher kam, kann der neue Sandero doch mit einem gefälligen und wertigen Äußeren glänzen, allerdings steht er ein wenig hochbeinig da.

Vor allem das breite Chromband am schwungvollen Kühlergrill, der in den geschwungenen Scheinwerfern ausläuft weiß zu gefallen, auch die dynamisch angesetzte Schürze fügt sich harmonisch ins Bild und gibt den Sandero einen sportlichen Touch. Schön ausgestellt geht es entsprechend mit den Radhäusern weiter, dazuwischen sind die Türen im unteren Teil mit markanten Rammschutzleisten versehen.

Sieht bis hier hin alles richtig gutaus, fällt als nächstes die Schwellerunterseite auf, die völlig unverkleidet ein ziemlich hässliches Bild abgibt und von der Seite her sehr gut sichtbar ist. Das schräg abfallende Heck mit den markanten Rückleuchten ist dagegen wieder richtig gut gelungen, auch hier wurde eine sportliche Heckschürze montiert, in deren angedeuteten Diffusor das Nummernschild integriert wurde.

Schon von außen fällt die sehr breite C-Säule auf, ein Umstand der den Sandero auch nicht sonderlich übersichtlich macht, wenn es um die Sicht nach schräg hinten geht. Die halbwegs niedrige Ladekante lässt auf eine optimale Kofferraumnutzung schließen. Aber hier haben die Entwickler noch nicht alle Hausaufgaben gemacht.

Das beginnt bei der völlig ungeschützten Ladekante und geht bei der nicht weit genug aufschwingenden Heckklappe weiter, an der man sich ab 1,80 m schnell mal anstößt. Der Laderaum selbst ist mit 320 Litern ausreichend groß und auch gut nutzbar, durch einfaches Umlegen der Rücksitzlehnen lassen sich daraus 1.200 Liter machen, aber hier bleibt eine rund 10 cm Stufe im Boden zurück, der zudem nach vorne ansteigt.

Bleiben wir gleich hinten und hier ist gleich beim Einstieg die Enge im Fußbereich zu bemängeln. Zwei Erwachsene sitzen auch hinter einem großen Fahrer noch ganz bequem, auch wenn bei 1,80 m Körpergröße die Knie bereits in die zum Glück weichen Lehnen der Vordersitze drücken, die Kopffreiheit ist prima. Auf allen drei Sitzen sind Dreipunktgurte verbaut, auf dem Mittelsitz muss der aber mit zwei Gurtschlössern befestigtwerden.

Aber ohnehin sitzen nur zwei Erwachsene hinten bequem, zumal der Mensch in der Mitte keinen Platz für seine Füße findet. Insgesamt sind die Sitze hinten recht weich gepolstert. Will man wieder aussteigen, wird es wieder im Fußraum ziemlich eng und man kommt nur schwer an der B-Säule vorbei.

Vorne sind im Sandero nicht nur der Ein- wie auch der Ausstieg wesentlich bequemer, auch die Sitze bieten mit ihrer strafferen Polsterung ein wesentlich besseres Unterkommen. Aber auch hier lässt sich die etwas kurze Beinauflage und die nicht in der Neigung verstellbaren und somit weit vom Kopf entfernt stehenden Kopfstützen bemängeln, die Lehne wird per Hebel mit recht grober Rasterung verstellt.

Also lassen wir unseren Blick schweifen, und hier fällt sofort positiv auf, dass es so gut wie keine Ähnlichkeiten mit dem Logan-Cockpit gibt. Angefangen vom schick gestylten Lenkrad über gefällige runde Luftaustrittsöffnungen mit silbergrauem Rand, zwei silbergrau unterlegten Rundinstrumenten und einer schwungvollen Mittelkonsole in Aluapplikation bis hin zu den entsprechenden Haltegriffen in den Türen, die zudem geschickt integriert wurden, kann das Sandero-Cockpit durchaus gefallen, auch wenn im Kern viel Kunststoff verarbeitet wurde, das Ganze sieht ansprechend und nicht billig aus.

Was die Bedienung und Erreichbarkeit angeht, gibt es kaum was zu meckern, die wenigen Bedienelemente werfen keine Fragen, nur die Drehregler für Heizung und Lüftung sind recht weit unten angebracht und die Tatsache, dass die Hupe über den Blinkerhebel bedientwerden muss sollte man bei Dacia nochmals überdenken. Die Kontraste bei den Instrumenten könnten durchaus auch etwas stärker sein und die Tatsache, dass das Lenkrad nur in der Höhe zu verstellen ist, sorgt mit dafür, dass nicht jeder seine optimale Sitzposition findet.

Man kann dem Dacia Sandero, der mit zu den preiswertesten Fahrzeug am Markt zählt, durchaus einen guten Fahrkomfort bescheinigen, das Fahrzeug liegt auch bei höherem Autobahntempo ruhig. Bei flotter Fahrweise legt er sich ordentlich in die Kurven, bleibt aber, wie auch im Slalomtest, mit leichtem Untersteuern sehr gutmütig. Dass ihm ESP fehlt, vermisst man bei angepasster Fahrweise nicht. Wer vor allem auf losem oder nassem Untergrund etwas zu viel Gas gibt, hat schnell mit durchdrehenden Vorderrädern zu kämpfen.

Die Lenkung ist bei flotter Fahrt ausreichend straff und gibt genügend Rückmeldung bei ausreichender Exaktheit, eine Servolenkung ist aber für die Basisvariante auch nicht gegen Aufpreis zu bekommen. Ab Tempo 100 treten zunehmend Windgeräusche in Erscheinung, die ab 150 km/h richtig laut werden und dann mit dem Motor um die Wette brüllen.

Bei einer Vollbremsung lässt das komfortable Fahrwerk den Sandero vorne tief eintauchen, mit leichtem Reifenquietschen und ohne ABS-Rubbeln steht der Wagen aus Tempo 100 nach recht langen 41 Metern, auch nach der zehnten Vollbremsung war kein Nachlassen zu erkennen. Im Alltag ist die Bremsanlage mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent fein zu dosieren, die Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsenhinten sprechen schnell an.

Die Motorenpalette das Dacia Sandero startet mit einem 1,2-Liter-75 PS Aggregat, unser Testwagen war mit dem 1,6 Liter MPI Motor mit 63 kW/87 PS ausgestattet, das im Stand ausgesprochen leise läuft und den Wagen auch ausreichend flott macht. Dabei wird er aber sobald er gefordert wird, richtig laut. Und das maximale Drehmoment von 128 Nm bei 3.000 U/min macht ihn auch nur unten rum richtig spritzig, aufgrund des lang übersetzten fünften Ganges geht ab 130 km/h nicht mehr viel, bis zur Topspeed von 174 km/h dauert es ein wenig.

Dafür geht es aus dem Stand heraus in 11,5 Sekunden auf Tempo 100 und im dritten Gang absolviert er den Zwischensprit aus 60 auf 100 km/h in 7,7 Sek. Darüber hinaus arbeitet die serienmäßige Fünfgang-Schaltung auf ausreichend kurzen Wegen und zeigt sich angenehm straff und exakt geführt. Allerdings arbeitet die Kupplung über einen sehr langen Pedalweg, was für gefühlvolles Rangieren eine gewisse Eingewöhnung erfordert.

Außerorts kann der Verbrauch von 5,6 Litern Super bleifrei auf 100 km durchaus genügen, aber schon der Mix-Verbrauch auf unsere Normstrecke von 7,0 Litern ist recht hoch, daran trägt der mit 10 Litern hohe Stadtverbrauch die meiste Schuld. Auch der CO2-Ausstoß von 170 g/km ist noch recht hoch, das Aggregat schafft auch nur die Einstufung in Euro 4.

In den unteren Ausstattungsstufen ist es mit der Sicherheit nicht so weit her, da sind lediglich Frontairbags an Bord. Unser Testwagen in der gehobenen Ausstattungsvariante Lauréate hat aber auch die Seitenairbagsvorne serienmäßig.

Kopfstützen und Dreipunktgurte (ab Ambiance vorne höhenverstellbar) sind immer an Bord, dazu eine Elektronische Wegfahrsperre und eine Zentralverriegelung (nicht im Basis-Modell).

Sie haben es sicher schon mal in der Werbung gesehen: Dacia Sandero ab 7.500,- Euro. Das ist dann die Basis-Version mit dem 1,4 Liter MPI-Motor mit 75 PS. Unseren Testwagen mit dem 1,6 Liter MPI-Motor mit 87 PS gibt es nur in der besten Ausstattung Lauréate und kostet 10.000 ,- Euro, teurer sind dann nur noch der 1.4 MPI mit Autogas für 10.800,- Euro, der 1.5 dCi mit 68 Diesel-PS als ECO für 11.500,- und mit 86 Diesel-PS als Lauréate für 11.900,- Euro.

Die Basis ist eher mager ausgestattet, erst ab Ambiance ist eine Servolenkung und die Zentralverriegelung an Bord. Und bei unserem Lauréate kommen neben dem Elektro-Paket u.a. mit elektrischen Fensterhebern vorne auch noch die Seitenairbags vorne, Nebelscheinwerfer, geteilt umklappbare Rückbank, höhenverstellbarer Fahrersitz und Lenkrad, Bordcomputer, Außenspiegel und Schutzleisten in Wagenfarbe, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, die Chromleiste am Kühlergrill auch noch die Matt-Chrom-Applikationen an der Mittelkonsole und den Türgriffen innen und außen serienmäßig an Bord.

Aus der Aufpreisliste wollen wir an dieser Stelle nur noch die 15 Zoll Alufelgen für 600,- Euro, die Metallic-Lackierung für 450,- Euro und das Klang- und Klima-Paket für 850,- bzw. 900,- Euro erwähnen, dann sind wir aber preislich auch schon bei rund 12.000,- Euro.

Immer mit dabei ist dieFahrzeuggarantie von drei Jahren und max. 100.000 km, eine 6-Jahres-Anti-Korrosions-Garantie und 2 Jahre Lackgarantie. Die Sandero mit Benzinmotor müssen alle 30.000 km bzw. nach max. 2 Jahren zur Inspektion.

Stand: November 2009, Test und Technik: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

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