// Fahrbericht / Dacia Sandero Stepway 1.6 MPI

Dacia

Dacia Sandero Stepway 1.6 MPI

Ah, ein neues Modell von Dacia! Nein, streng genommen ist der Stepway nur eine Ausstattungsvariante, die Optik mit einem Hauch von Freiheit und Abenteuer nur aufgesetzt, das Fahrzeug etwas höher geschraubt, das war’s – eigentlich. Aber die Veränderungen haben auch Auswirkungen, zum Beispiel in einer niedrigeren Höchstgeschwindigkeit, einem langsameren Sprint auf Tempo 100, einem etwas höheren Gewicht und einer geringeren Zuladung, einem etwas länger übersetzten fünften Gang … aber keine Angst, fast alles liegt im minimalen Bereich und ist oft nur auf dem Papier zu erkennen, bis auf den gut einen halben Liter höheren Verbrauch und die 10 km/h, die bei der Topspeed fehlen.

Schon der normale Dacia Sandera steht ein wenig hochbeinig da, der Stepway setzt hier schon mal noch einen drauf und erhöht die Bodenfreiheit von 155 auf 175 mm, weil die gesamte Optik aber in Richtung Offroad geht, stimmt das Gesamtbild wieder.

Und kommt schon der „normale“ Sandero deutlich hochwertiger daher als der Erstlings-Dacia Logan, kann der Stepway, der ja kein neues Modell ist, wie man eigentlich meinen könnte, sondern „nur“ eine Ausstattungsvariante“, hier klar noch einen drauf setzen.

Mit den in grauem Kunststoff angesetzten Front- und Heckschürzen, den Radlaufabdeckungen und den Seitenschwellern macht er richtig was her, vor allem die in silbergrau gehaltenen Applikationen, die vorne wie hinten eine Art Unterfahrschutz darstellen, sieht er nicht nur schick sondern auch sehr robust aus.

Dass das alles nur Schau ist undder Stepway abgesehen von den 2 cm mehr Bodenfreiheit absolut keine Ambitionen für Geländefahrten hat spielt keine Rolle, bildet er doch einen attraktiven Blickfang im Straßenbild und hebt sich vom gewöhnlichen Sandero doch positiv ab.

Dazu tragen natürlich auch wesentlich die größeren Räder/Felgen bei, die beim Stepway im 16 Zoll-Format und in 195/55er Ausführung daher kommen, außerdem die dunkel hinterlegten Scheinwerfer, die silbernen Außenspiegel und die Dachreling. Die B-Säule ist nicht schwarz sondern in Wagenfarbe lackiert, die Rammschutzleisten am unteren Türrand entfallen.

Das macht irgendwie richtig neugierig auf den Innenraum. Doch alle Erwartungen nach ein bisschen Stepway werden sofort enttäuscht, innen ist der Unterschied praktisch gleich Null. Ja, die beiden Rundinstrumente sind hier schwarz unterlegt und der Bezugsstoff der Sitze ist ein anderer, aber peppige Applikationen, etwas Farbe oder so ein Hauch von Offroad suchen wir hier vergebens.

Also auch hier ziemlich Grau in Grau und nur die bereits bekannten silbergrauen Applikationen in der Mittelkonsole, rund um die Luftaustrittsdüsen, am Türgriff und im Lenkrad sorgen für ein wenig Auflockerung. Die Verarbeitung geht in Ordnung, dass es sich um ein sehr preiswertes Fahrzeug handelt, wird nicht sofort ersichtlich.

Der Sandero kommt mit ganz wenigen Bedienelementen aus, die sind einfach gestrickt und ebenso einfach zu bedienen, lediglich die Drehregler für Heizung und Lüftung sind recht weit unten angebracht und an der Tatsache, dass die Hupe über einen Taster im Blinkerhebel bedient wird, hat sich leiderauch nichts geändert.

Der Ein- und Ausstieg ist vorne sehr bequem, durch die um 2 cm höhere Bodenfreiheit und den damit noch etwas höheren Hüftpunkt vielleicht sogar noch eine Spur bequemer. Die Sitze selbst lassen sich einfach manuell verstellen, die etwas grobrastrige Lehnenverstellung per Hebel ist ebenso geblieben wie die recht weit vom Kopf entfernt stehenden Kopfstützen, die etwas kurze Beinauflage und die straffe Polsterung.

Hinten wird es dagegen gleich schon beim Einstieg im Fußbereich eng und das bleibt auch beim Sitzen so, beim Ausstieg gibt sich der Fußraum sogar noch enger. Hat man dann noch einen großen Fahrer vor sich, stoßen bei 1,80 m Körpergröße die Knie bereits in die weichen Sitzlehnen. Keinen Grund zur Klage gibt es dagegen bei der gebotenen Kopffreiheit. Alle Sitze haben Dreipunkt-Sicherheitsgurte, beim Mittelsitz muss der aber an zwei Schlössern fixiert werden. Hier sollte nicht nur wegen dem fehlenden Fußraum ohnehin kein Erwachsener untergebracht werden.

Gespart haben die Entwickler auch beim Kofferraum, nicht beim Platzangebot, das ist größer als bei so manch namhaftem Konkurrenten, aber zum Beispiel beim Schutz der Ladekante oder beim Licht. Und ganz Sandero geht auch beim Stepway die Heckklappe nicht weit genug auf, schon bei 1,80 m Körpergröße stößt man sich schnell mal den Kopf. Und wenn man den 320 Liter großen Laderaum durch Umklappen der Rücksitze vergrößert, kann man zwar gute 1.200 Liter Gepäck unterbringen, der Boden steigt aber nach vorne hin leicht an und eine 10 cm hohe Stufe erschwert es ungemein, Gepäckstücke bis nach vorne zuschieben. Dass der Stepway nur 391 kg zuladen darf (34 kg weniger), dürfte nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Dass der Stepway zwei Zentimeter mehr Bodenfreiheit hat, merkt man beim Fahren nicht, auch ihm kann man einen guten Fahrkomfort bescheinigen, und das „in die Kurve legen“ empfindet man auch nicht mehr als bei den anderen Modellen. Mit leichtem Untersteuern kommt man gut mit ihm klar, allerdings hat auch der Stepway kein ESP, was in kritischen Situationen dann doch ein Nachteil sein kann, und ein ungestümer Gasfuß lässt auch hier die Vorderräder ganz schön durchdrehen.

Und so kommt man zumeist recht komfortabel durch die Lande, die meisten Straßenschäden filtert der Sandero ganz gut weg, nur wirklich schlimme Pisten bringen das Fahrwerk an seine Grenzen. Und auch die Lenkung kann – ausreichend leichtgängig – einen guten Komfort bieten. Beim richtig flotten Fahren dürfte sie aber ein wenig mehr Rückmeldung von der Straße geben.

Neben einigen Millimetern, die der Stepway länger breiter und höher geraten ist, kommt auch die Spurweite mit einigen Millimetern mehr daher, was nicht nur dem satteren auf der Straße liegen zugute kommt, sondern auch der Optik gut tut.

Dafür bekommt man genau mitgeteilt, wie schnell man fährt, wobei weniger der Blick auf den Tacho hier Aufschluss gibt, sondern der zunehmend lauter werdende Motor und die schon ab Tempo 100 auftretenden Windgeräusche.

Schnell arbeitet auch die Heizungsanlage, bereits nach kurzer Fahrt beginnt es wohlig warm im Fahrzeug zu werden. Da braucht die Bremse doch etwas länger, um genau zu sein rund 41 Meter,um aus Tempo 100 den Wagen zum Stillstand zu bringen. Dabei taucht der Vorderbau ziemlich tief ein und ein leichtes Reifenquietschen untermalt die Arbeit der über ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung angesteuerten Schiebenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten. Dosierbarkeit und Ansprechverhalten sind okay.

Von allen angebotenen Motoren kann man den Stepway nur mit dem stärksten Benziner, dem 1.6 MPI und seit kurzem auch mit dem Diesel dCi 90 FAP bekommen. Mit dem Vierzylinder Benziner stehen 64 kW/87 PS bei 5.500 U/min zur Verfügung und dazu ein maximales Drehmoment von 128 Nm bei 3.000 U/min. Damit schafft der Stepway dann aber nur 163 km/h Spitze (11 km/h weniger als die anderen 1,6-Liter-Modelle und auch für den Sprint von Null auf 100 genehmigt er sich mit 12,4 Sekunden fast eine Sekunde mehr.

Ist das noch leicht zu verschmerzen, könnte einen der Mehrverbrauch schon etwas ärgern. Mit 10,2 Litern in der Stadt ist der Spritkonsum nicht nur generell zu hoch, sondern einen halben Liter höher als beim „normalen“ 1.6, und das gilt auch für Überlandfahrten, hier sind es 6,1 Liter gegenüber 5,4 Liter, im Mix 7,6 statt 7,0 Liter Super bleifrei. Entsprechend ist natürlich auch der CO2-Ausstoß mit 180 g/km deutlich höher, auch der Stepway MPI erfüllt nur die Abgasnorm Euro 4.

Gönnt man dem Motor ausreichend Drehzahl, kommt man aber auch mit dem Stepway ganz gut voran, läuft das Triebwerk im Stand und bei gemächlicher Fahrt noch angenehm leise und auch vibrationsarm, entwickelt es mit zunehmendem Tempo ganz schön viel Lärm.

Das serienmäßige Fünfgang-Schaltgetriebeist recht kurz übersetzt, was natürlich den Fahrleistungen etwas zugute kommt, dafür aber auch stets höhere Drehzahlen mit sich bringt. Mit Ausnahme des etwas länger übersetzten fünften Gangs entspricht es denen der anderen Modelle. Führung und Schaltwege gehen in Ordnung, ein wenig hakelt das Ganze aber und häufig haben wir ohne Absicht beim Anfahren statt des ersten den dritten Gang eingelegt.

In Sachen Sicherheit bietet der Stepway nicht etwa mehr, sondern weniger, noch weniger muss man sagen. Denn neben Frontairbags für Fahrer und Beifahrer verkneift er sich nicht nur die durchgehenden Windowbags sondern auch die Seitenairbags vorne, und bietet diese nicht mal als Option an.

Kopfstützen und Dreipunktgurte, vorne auch höhenverstellbar sind wie die ISOFIX-Kindersitzbefestigungen hinten serienmäßig an Bord, aber wie schon festgestellt, gibt es ESP auch nicht für Geld und gute Worte.

Unser Dacia Sandero Stepway mit dem Benzinmotor steht mit 9.990,- Euro in der Preisliste, und das ist doch schon mal eine Ansage. Denn abgesehen von der etwas mageren Sicherheitsausstattung hat er doch einiges an Bord, was man so braucht.

Neben der ausstattungstypischen Offroad-Optik sind z.B. eine hydraulische Servolenkung, 16 Zoll Alufelgen, eine Zentralverriegelung und sogar die Metallic-Lackierung im Preis mit drin. So Dinge wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber oder Außenspiegel etc. vermisst man dann aber schon.

Hier kann der geneigte Kunde auf Optionspakete wie Klang & Klima oder das Elektro-Paket zurückgreifen. Serienmäßig bekommt er eine dreijährige Fahrzeuggarantie bismax. 100.000 km, eine 6-Jahres-Anti-Korrosions-Garantie und 2 Jahre Lackgarantie. Alle 2 Jahre oder nach 30.000 km ist eine Wartung fällig, die Versicherungseinstufungen lauten 18, für HPF, TK und VK.

Stand: Februar 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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