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Dacia Sandero Lauréate TCe 90

Nach dem dezenten Facelift sieht der Sandero zwar gefälliger, dafür aber auch unauffälliger aus. Umfangreicher fiel die Überarbeitung des Innenraums aus, bis auf die Luftaustrittsöffnungen blieb nichts beim Alten. Vor allem die drei Rundinstrumente sehen richtig schick aus, das Armaturenbrett hat mehr Schwung und auch die Sitze sehen jetzt echt sportlich aus, bieten aber zu wenig Seitenhalt. Hinten wird es für Große an den Beinen eng und beim Aussteigen vor allem an den Füßen. Der Kofferraum hat noch immer Nachholbedarf, die hohe Ladekante ist ungeschützt, dann geht es 20 cm tief runter und nach dem Umlegen der Rücksitze steigt die Ladefläche nach einer dicken Stufe nach vorne hin an. Besser gefallen hat uns da der Dreizylinder Turbo mit unten rum spritzigen 90 PS, er läuft im Alltag ruhig und leise, nur voll gefordert wird er sehr laut, wie die Windgeräusche bei Topspeed. Auf Licht- und Regensensor muss man ebenso verzichten wie auf Kopfairbags.

Es war wohl an der Zeit, den Sandero ein wenig aufzufrischen. Dabei haben sich die Designer mal wieder auf Front und Heck konzentriert, die Silhouette bleibt unverändert, lediglich die Rammschutzleisten an den Türen sind verschwunden.

Die Front gibt sich jetzt kantiger, die Front- wie auch die Heckschürze verlieren ihre ein wenig nach Unterfahrschutz anmutende Optik, dafür sind die Nebellampen jetzt markanter eingepasst. Der Neue sieht gefälliger aus, büßt aber auch ein wenig von seiner Eigenständigkeit ein.

Das gilt besonders für die Heckansicht, wo man den Sandero jetzt leicht mit jedem x-beliebigen Modell verwechseln könnte, sind doch vor allem die markanten Rückleuchten verschwunden. Und auch die „dicken Backen“ der Radhäuser treten optisch nicht mehr so markant hervor.

Im Innenraum haben vom Vorgänger fast nur die Luftaustrittsöffnungenüberlebt, das gesamte Armaturenbrett gibt sich jetzt schwungvoller, die Mittelkonsole ist mehr in diesen Schwung integriert. Ganz oben steckt ein großer Monitor – schick und modern – der das Navi beinhaltet. Es wird ganz bequem per Touchscreen bedient, aber wo ist der Button für „Route abbrechen“?

Ganz besonders gewonnen hat die Instrumenteneinheit. Aus den beiden eher grauen Rundinstrumenten mit den beiden Anzeigenblöcken dazwischen sind jetzt drei ineinander verschachtelte runde Anzeigen geworden, die vor allem mit den glänzenden Chromringen gefallen.

Weiße Ziffern auf schwarzem Grund und dazu rote Zeiger ergeben ein schickes Bild und sind gut ablesbar, leider fehlt dem Drehzahlmesser der rote Bereich. Schade, dass man wohl aus Kostengründen im rechten Rundinstrument dann doch wieder auf billige Digitalanzeigen z.B. für den Benzinvorrat zurückgegriffen hat. Eine in jedem Fall lohnende Investition ist das griffige Lederlenkrad.

Leider ist das Volant nur in der Höhe verstellbar und gespart hat man auch in dem man die Tasten im Lenkrad für den Tempomat nicht beleuchtet hat, wie auch bei den ganz weit unten platzierten Uralt-Schaltern für die Leuchtweitenregulierung. Daran, dass die Schalter für die elektrischen Fensterheber in der Mittelkonsole sitzen muss man sich erst gewöhnen, dafür kommen aber Fahrer und Beifahrer an alle ran. Für ein neues Modell wirken die Regler für Heizung und Lüftung ein wenig antiquiert, sind aber gut erreichbar und einfach zu bedienen.

Filigraner geben sich die Türverkleidungen und vor allem der innere Zuziehgriff, die silbergraue Applikation des Vorgängers hätten wir aber gerne wiedergesehen.

Die neuen Sitze sind vor allem optisch wesentlich sportlicher geworden, aber sie bieten auch wenn sie anders aussehen nur wenig Seitenhalt, der Sandero kann wesentlich schneller um die Ecken als sich der Fahrer auf dem Sitz halten kann.Ansonsten ist das Gestühl ausreichend groß, die Beinauflage dürfte allenfalls etwas länger sein, die Polsterung ist straff, es fehlt aber eine Lordosenstütze.

Der Bordcomputer zeigt diverse Information vom Momentanverbrauch über Durchschnitts- und Gesamtverbrauch an, es gibt Tagfahrlicht, aber weder Licht- noch Regensensor und leider auch keinen Tipp-Blinker, bei dem man nur einmal antippen müsste, und dann automatisch drei mal geblinkt wird.

Mit Blick auf den Preis sollte man über das fehlende Licht im Handschuhfach ebenso hinwegsehen wie über die unbeleuchteten Make-up-Spiegel. Eine Unsitte ist leider einfach nicht tot zu kriegen, auch beim aktuellen Sandero sitzt die Hupe wieder im Blinkerhebel. Dafür läuft das Radio wenigstens auch bei ausgeschalteter Zündung.

Kommen wir also mal nach hinten. Als 1,80 m großer Mitfahrer hat man hinter einem 1,80 m großen Fahrer gerade so Platz an den Knien, der Kopffreiraum ist okay. Die Kopfstütze kann zwar weit genug ausgezogen werden, es gibt aber nur eine Raste. Insgesamt sitzt man hinten recht steil und mit noch weniger Seitenhalt als vorne. Gelingt der Einstieg in die zweite Reihe noch ganz bequem, wird es beim Raus vor allem im Fußbereich an der B-Säule sehr eng.

Will man den Fond als Stauraum nutzen, reicht ein Druck, und die Rücksitzlehne klappt 1/3 zu 2/3 geteilt nach vorne. Allerdings steigt nach wie vor der Boden dann nach vorne hin stark an und eine dicke Stufe behindert das bequeme Durchladen schwerer Gegenstände.

Die neue Heckklappe öffnet weit, gibt aber eine recht hohe Ladekante frei, die noch dazu komplett ungeschützt ist. Und dann geht es gleich wieder 20 cm tief nach unten, wo ein ziemlich lappriger Boden wartet, unter dem das Reserverad und Werkzeug verstaut sind. Das Stauvolumen reicht von 320 Litern bis zu 1.200 Liter bei umgelegten Rücksitzen.

Auch wenn der Fahrwerk tendenziell straffausgelegt ist bietet der Sandero einen guten Fahrkomfort. Selbst auf Kopfsteinpflaster war unser Testwagen nicht aus der Ruhe zu bringen, nur grobe Schlaglöcher dringen spürbar zu den Insassen durch. Und wenn dann die gesamte Straße in einem richtig schlechten Zustand ist, mit Querrillen, Buckeln und Bodenwellen, dann wird der Dacia ziemlich unruhig und vollführt, wenn man flott unterwegs ist, regelrechte Bocksprünge.

Deutlich zu spüren ist auch die Karosserieneigung wenn es flotter um Kurven geht, dann macht sich auch ein deutliches Untersteuern, also ein Schieben über die Vorderräder bemerkbar.

Mit der ausreichend leichtgängigen Lenkung bei langsamer Fahrt lässt sich der Sandero gut durch den engen Großstadtdschungel manövrieren. Bei flotter Fahrt arbeitet sie straffer, dürfte aber gerne noch ein Spur direkter agieren.

Der Wagen folgt halbwegs willig der Lenkung, im Slalomtest verhindert neben den deutlichen Karosserieneigungen und den zu wenig Seitenhalt bietenden Sitzen vor allem aber auch das spürbar eingreifende ESP und das nur wenig übermittelte Gefühl für die Straße höhere Tempi.

Also lieber von Haus aus einen Zahn runter mit dem Tempo und schon zeigt sich der Rumäne von seiner besten Seite, der Motor bleibt akustisch angenehm im Hintergrund und auch die Windgeräusche halten sich zurück, die ansonsten spätestens ab 140 km/h deutlich aufs Trommelfell pfeifen.

Unser Testwagen war mit serienmäßigem ABS mit elektronischem Bremskraftverteiler und Bremsassistent bestückt, die an der Vorderachse auf Scheibenbremsen, an der Hinterachse auf Trommelbremsen wirken. Die Bremsanlage zeiget sich gut dosierbar, allerdings war der Pedalweg bis die Bremsen voll zupacken recht lang.

Muss man bei Tempo 100 voll in die Eisen, taucht der Vorderwagen stark ein und dann braucht der Sandero rund 39 Meter bis zum Stillstand, das ist zwar besser als beim letzenTestwagen, aber immer noch recht lang.

Aller guten Dinge sind drei? Zumindest kann der von uns gefahrene Dreizylinder-Benziner mit gerade mal 898 cm³ Hubraum und 66 kW/90 PS Leistung, die bei 5.250 Umdrehungen zur Verfügung steht sowie den 135 Nm Drehmoment bei niedrigen 2.500 U/min durchaus gut gefallen. Der Downsizingmotor läuft im Stand und bei Normallast recht ruhig und leise, Vibrationen sind kaum spürbar.

Laut wird es erst, wenn wir dem kleinen Turbo die Sporen geben und ihn z.B. in flotten 11,1 Sekunden (geht gefühlt viel schneller) aus dem Stand auf Tempo 100 scheuchen oder weiter bis zur Topspeed von 175 km/h. Dann kommen zum ziemlich laut werdenden Motor auch noch massive Windgeräusche.

Wenn man es weniger eilig hat, dann kann man eine sogenannte Eco-Taste betätigen und schon werden das Ansprechverhalten des Gaspedal, das Drehmoment und die Motorleistung entsprechend angepasst, will heißen reduziert. Das gilt dann auch für die Klimaanlage und die Heizung und soll immerhin 10% Spriteinsparung bringen. Wir haben den Sandero TCe 90 langsam und auf ECO mit 5,3 Litern im Mix bewegt, das ist dann auch schon recht nahe an der Werksangabe.

Mit mehr Kurzstrecke stieg der Wert auf 5,4 Liter, und ohne ECO und ein wenig schneller flossen dann 5,7 Liter auf 100 km aus dem Tank. Dacia gibt den Stadtverbrauch mit 6,4 Litern, den außerorts mit 4,3 Litern und den Mix mit 5,0 Litern an.

Und so liegt der CO2-Ausstoß bei 116 g/km und der Motor erreicht die Abgasnorm Euro 5. Die Schaltempfehlung arbeite soweit ganz gut, empfiehlt auch das Runterschalten, auch wenn man z.B. bei Bergabfahrt bremst. Im ECO-Modus empfiehlt sie für unseren Geschmack ein wenig früh das Raufschalten. Vermisst haben wir eine Start-Stopp-Automatik.

Apropos Schalten: die serienmäßige Fünf-Gang-Handschaltung wirkt ein wenig knockig, gibt sich aber sonst ganz gut geführt und die Gänge sind zudemrecht kurz übersetzt, was der Spritzigkeit entgegenkommt. Auf der Autobahn geht die allerdings schnell verloren, da ist der fünfte Gang allein überfordert. Ein sechster Gang wäre nicht schlecht, könnte zudem den Motorenlärm wie auch den Verbrauch reduzieren helfen. Jenseits der 5.000 Touren wird der kleine Turbomotor richtig laut.

Bei der Sicherheit hat sich nicht viel geändert, das bedeutet nach wie vor in den unteren Ausstattungsstufen lediglich Frontairbags. Unser Testwagen in der gehobenen Ausstattungsvariante Lauréate hat auch die Seitenairbags vorne serienmäßig, Kopfairbags sind aber auch nicht gegen Aufpreis erhältlich.

Höhenverstellbare Kopfstützen und Dreipunktgurte sind serienmäßig wie auch ISOFIX auf den hinteren Außensitzen, außerdem ABS, ESP mit Antischlupfregelung, eine Wegfahrsperre und die Zentralverriegelung.

Mit dem Dreizylinder Turbobenziner mit 90 PS ist der Dacia Sandero gut bestückt, als Lauréate kostet er 10.290,- Euro und ist soweit ganz ordentlich ausgestattet. So gehören Tagfahrlicht, elektrisch verstellbare Außenspiegel, getönte Scheiben, ein Bordcomputer, der ECO-Modus, elektrische Fensterheber vorne und die Nebelscheinwerfer, hydraulische Servolenkung sowie die Zentralverriegelung zur Serienausstattung.

Dann geht es aber schon mit der Aufpreisliste los, in der so Dinge wie das Easy-Paket mit Lederlenkrad und -schalthebel, Tempomat und Mittelarmlehne vorne für 300,- Euro, 15 Zoll Alufegen für 600,- Euro, eine manuelle Klimaanlage für 590,- Euro, die Metallic-Lackierung für 470,- Euro, die elektrischen Fensterheber hinten für 150,- Euro sowie das Media-Navi inkl. Radio für 180,- Euro stehen, und für das Kartenmaterial für Europa muss man nochmals 99,- Euro extra bezahlen. Wer Luxus will kann für 500,- Euro eine Lederpolsterung bestellen und die Einparkhilfe hinten kostet nochmals 200,- Euro, ist aber sehr zu empfehlen, dader Sandero nach schräg hinten raus nicht eben der übersichtlichste ist.

Die Fahrzeuggarantie beträgt nach wie vor drei Jahre und max. 100.000 km, alle 20.000 km oder einmal im Jahr ist eine Wartung fällig.

Stand: August 2013; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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