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Citroën Nemo – Der steckt was weg.

Er ist ein Nutzfahrzeug, auch wenn er optisch richtig flott daher kommt, das merkt man nicht nur an der mageren Sicherheitsausstattung und der doch etwas spartanischen Gesamtausrüstung, vor allem am großen und optimal nutzbaren Laderaum mit den weit öffnenden Hecktüren, dem wegklappbaren Gitter hinter dem vorklappbaren Beifahrersitz und der optionalen Sortimo-Ausstattung u.a. mit sauber verstauten Gurten etc. Der kleine 68 PS Dieselmotor reicht für die meisten Belange eines solchen, kleinen Kastenwagens aus, kann mit 4,5 Litern auskommen und wird trotzdem ausreichend flott. Wird er zu flott, z.B. auf der Autobahn, wird er auch sehr laut. Er liegt gut auf der Straße, untersteuert zumeist gutmütig – hat aber auch kein schützendes ESP.

Mit den schwarzen Kunststoff-Aufsätzen und dem angedeuteten Unterfahrschutz in silbergrau sieht der kleine Kastenwagen aus Frankreich gar nicht mal aus wie ein reines Nutzfahrzeug. Ganz praktisch zieht sich der Rammschutz der Frontschürze auch richtig breit an den Türen entlang um sich dann auch am Heck in der Schürze fortzusetzen. Dabei sind die Karosserie-Ecken bis rauf zu den Rückleuchten mit dem schützenden Kunststoff umgeben.

Das ist nicht nur bei Parkremplern gut, sondern schützt auch beim Be- und Entladen, denn die asymmetrisch zweigeteilte Heckklappe lässt sich mit zwei Arretierungsstufen praktisch bis auf 180° öffnen. Fastselbstverständlich ist bei einem solchen Nutzfahrzeug, dass nicht nur die Ladekante sondern die gesamte Stoßstange gegen Ladekratzer geschützt ist.

In Schwarz hüllen sich auch die Türgriffe und die beiden Außenspiegel. Letztere sind schön groß ausgeführt, denn durch die fehlenden Fenster an der Hecktür wie den hinteren Seiten ist die Rundumsicht natürlich stark eingeschränkt. Da ist es gut zu wissen, dass der Nemo prima über die Außenspiegel einzuparken und zu rangieren ist, optional gibt es auch eine Einparkhilfe hinten.

Bleiben wir gleich am Heck und schauen uns mal die Lademöglichkeiten des Nemo etwas genauer an. Mindestens 1.056 mm breit und 1.046 mm hoch, das sind schon mal gut nutzbare Maße, die sich auf die Türöffnung beziehen. Und dahinter geht es mit 1.320 mm Breite und 1.500 mm Länge weiter, alles mit einem natürlich ebenen Boden und ziemlich glattflächigen Wänden, lediglich die Radkästen ragen in den Laderaum hinein und reduzieren die nutzbare Breite auf 1.040 mm.

Unser Nemo war mit Einbauten der Firma Sortima, die u.a. Ladegurte etc. aufnehmen und stets griffbereit halten, bestückt. Auch der Boden war von Sortima, allerdings trug er bei unserem Testwagen so stark auf, dass sich das Gitter hinter dem Beifahrersitz nicht mehr richtig öffnen ließ. Als recht praktisch erweist sich die zusätzliche seitliche Schiebetür auf der Beifahrerseite.

Denn diese bewegliche Gitterwand zur Fahrerkabine hat den nützlichenVorteil, dass man nach dem Zusammenklappen des Beifahrersitzes (optional) bis zu 2,5 m lange Gegenstände einladen kann oder man hat mehr als die 2,5 m³ Laderaum zur Verfügung.

Außer dem Zusammenlegen bietet der Beifahrersitz aber keine Verstellmöglichkeiten, lässt sich also auch nicht in Längsrichtung verschieben. Der Fahrersitz hat hingegen nicht nur einen erstaunlich großen Längsverstellbereich, er lässt auch die Lehne mit Drehrad feinrastrig verstellen, die Höhe justieren und bietet sogar eine Lordosenstütze – jeder Vielfahrer wird dafür dankbar sein. Ganz schön komfortabel gibt sich der Nemo auch mit der Fenster-Auf- und Abwärts-Automatik für Fahrer und Beifahrer.

Damit die Arbeitsunterlagen immer im Blick und griffbereit sind, hat der Nemo natürlich auch ein entsprechendes Klemmbrett oben auf dem Armaturenbrett. Dafür fehlen natürlich Make-up-Spiegel in den Sonnenblenden – und der rote Bereich im Drehzahlmesser, der bis stolze 7.000 Touren reicht, obwohl es sich doch um einen Diesel handelte. Ansonsten sind die Instrumente klar gezeichnet und gut ablesbar, ein Display zwischen den beiden großen Rundinstrumenten informiert über die Uhrzeit, Außentemperatur etc. Das Armaturenbrett ist einfach und funktional gehalten, die wenigen Bedienelemente sind gut erreichbar und einfach zu handhaben.

Ganz oben sitzt das CD-Radio, und hier muss man öfter hingreifen, denn der Radioempfang ist ziemlich schlecht und im Stand läuft das Radioauch nur bei eingeschalteter Zündung.

Das Fahrwerk des Citroën Nemo ist relativ straff abgestimmt, das gibt klarer Weise Querrillen und Schlaglöchern die Chance, deutlich bis zu den Insassen durchzudringen. Aber der Nemo darf bis zu 535 kg zuladen und bei voller Beladung sollte er ja auch nicht zu sehr in die Knie gehen. Folgen viele kurze Querrillen aufeinander, wird der Wagen zunehmend unruhiger und beginnt schließlich regelrecht zu hüpfen – Je beladener, um so besser wird es. Wenig komfortabel zeigen sich auch jenseits der 130 km/h lauten Wind-, Motor- und Abrollgeräusche.

Mit der Servolenkung und einem kleinen Wendekreis ist der Nemo gut zu handeln, lässt sich sogar richtig flott um die Kurven bewegen, selbst die Karosserieneigung hält sich für ein Fahrzeug dieser Kategorie in Grenzen. Das leichte Untersteuern wird jedoch bei voller Beladung ganz schön mächtig und bei Annäherung an den Grenzbereich wird auch das Heck zunehmend unruhiger und der Nemo neigt zum Übersteuern. ESP ist leider Fehlanzeige, könnte gerade hier aber gute Dienste leisten.

Ansonsten liegt der Nemo ruhig auf der Straße, heftigere Seitenwinde setzen dem Geradeauslauf natürlich aufbaubedingt ganz schön zu.

Bei einer Vollbremsung taucht der Nemo vorne tief ein, quietscht ein wenig mit den Reifen und steht nach ordentlichen 39,5 Metern. Dabei gehen vorne innenbelüftete Scheibenbremsen und hinten Trommelbremsen ans Werk und das ganze wird über ABSgeregelt.

Unser kleiner Nemo war mit einem 50 kW / 68 PS starken – oder müsste man sagen schwachen? – Vierzylinder Dieselmotor ausgestattet. Der entwickelt aus 1,4 Litern Hubraum sein maximales Drehmoment von 160 Nm bei 1.750 Touren und macht dem Nemo durchaus Beine. Klar, wenn er voll beladen ist, dann hat der kleine Turbodiesel ganz schön was zu schleppen, aber im Normalfall kommt man damit gut vorwärts, er zeigt keine Anfahrschwäche und lässt sich sogar auch mal ohne zu mucken im zweiten Gang anfahren.

Bei genügend Drehzahl geht der Kleine richtig gut los und mit dem gut erreichbaren Schalthebel lassen sich die serienmäßigen fünf Vorwärtsgänge auf ausreichend kurzen Wegen leichtgängig und gut ansteuern, und wenn man es nicht ganz so eilig hat lässt sich der Nemo HDi schön niedertourig bewegen. Na ja, man fühlt sich schneller als man tatsächlich ist, den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 haben wir in gerade mal 18 Sekunden geschafft und die Topspeed ist bei 152 km/h erreicht. Mit dem lang übersetzten fünften Gang muss man leben, er beschert uns einen Durchzug von 80 auf 120 in selbigem in langen 20 Sekunden.

Sein Spritverbrauch kann sich dagegen durchaus sehen lassen. Im alltäglichen Landstraßen-Stadt-Mix haben wir ihn mit 5 Litern Diesel auf 100 km bewegt, Durchschnittstempo 120 auf der Autobahn quittiert er mit 5,7 Litern. Citroën gibt für die Stadt 5,7 Liter, außerorts 3,8 Liter und im Mix 4,5 Liter an. Dazu stößt derVierzylinder 119 g/km CO2 aus.

Hier merkt man am ehesten, dass es sich bei unserem Nemo um ein Nutzfahrzeug handelt. Auch Luft kostet Geld, zumindest wenn Sie sich in Airbags entfalten soll. Und so ist erst mal nur ein Fahrerairbag serienmäßig an Bord. Für den Beifahrer kostet der Frontairbag 166,60 Euro Aufpreis, die Seitenairbags kosten 238,- Euro extra, können aber z.B. nicht in Verbindung mit den Trennwänden und dem Multifunktionssitz auf der Beifahrerseite geordert werden.

Kopfstützen und Dreipunkt-Automatikgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sind wiederum serienmäßig vorhanden.

Ein Blick in die Preisliste macht es dann endgültig klar: Der Nemo ist ein Nutzfahrzeug, steht doch als erstes und fett gedruckt hier der Preis ohne MwSt.: 11.550,- Euro. Schaffen Sie ihn sich privat an, um damit z.B. die Brötchen beim Bäcker zu holen, dann interessiert Sie der Preis inkl. MwSt.: 13.744,50 Euro.

Und nicht nur die Sicherheitsausstattung ist dann mager, auch sonst ist nur das wichtigste an Bord. Dazu gehört dann aber auch ein vollwertiges Ersatzrad, 6 Verzurrösen im Laderaum, eine Radiovorrüstung mit Antenne und 4 Lautsprechern, ein offenes Handschuhfach, getönte Scheiben, eine Nachleuchtfunktion und – dann ist auch fast schon Schluss.

Gegen Aufpreis gibt es dann eine Klimaanlage für 1.011,50 Euro, Nebelscheinwerfer für 142,80 Euro, diverse Trennwände, eine Metallic-Lackierung für 300,- Euro, eine Einparkhilfe hinten für297,50 Euro und nicht zu vergessen einige Optionspakete wie z.B. das Elektro-Paket für 368,90 Euro mit elektrisch verstell- und beheizbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern vorne, Zentralverriegelung mit Fernbedienung etc.

Stand: März 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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