// Fahrbericht / Citroën Grand C4 Picasso mit sieben Sitzen

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Citroën Grand C4 Picasso mit sieben Sitzen

Laut Citroën ist er neu, aber eigentlich halten sich die Veränderungen an der Karosserie doch in engen Grenzen, noch dezenter fallen sie im Innenraum aus. So richtig neu ist dann der große Diesel, der als 165 HDi mit 120 kW mit einer Sechsstufen-Automatik kombiniert ist. Die arbeitet ausreichend schnell und vor allem sanft, um den ohnehin schon gebotenen Komfort des Vans noch weiter zu steigern. Und wer viel Komfort bietet, tut sich gelegentlich mit dem flotten Fahren etwas schwer, die Lenkung ist hierfür zu gefühllos, die Karosserie legt sich deutlich in die Kurven und der Wagen schiebt deutlich über die Vorderräder. Aber Cruisen ist ganz sein Ding, und dann kommt er auch im Mix mit 6,2 Litern Diesel aus. In Relation zur üppigen Ausstattung geht auch der Preis wieder in Ordnung.

Für Citroën kommt der Grand C4 Picasso jetzt im neuen Markenlook daher, für Otto Normalverbraucher sieht der Neue genauso aus wie der Alte. Und auch wir mussten mehr als zweimal hinsehen, um die Unterschiede zu entdecken.

Klar, da ist das neue Markenlogo an Front und Heck, aber das allein ist wohl kaum kaufentscheidend oder auch nur eine wichtige Neuerung für den Käufer. Dann schon eher die neuen, jetzt weißen Blinkereinsätze in den Frontscheinwerfern. Und hier in der Frontschürze finden dann auch die markantesten Veränderungen statt.

Die beiden Kühleröffnungen verschmelzen mehr zu einem Kühlergrill, eine breite Strebe darin nimmt das Nummernschild auf. Und dem angepasst wurden links und rechts die Nebellampen neu einfügt und eben auch die LED-Tagfahrleuchten integriert. Fast nur von oben zu erkennen, gibt es als Option „Black Top“ ein schwarz lackiertes Dach.

Stets gut zu erkennen – aber natürlich nichts Neues – ist die große Panorama-Windschutzscheibe, mit der nicht nur viel Licht nach innen gelangt, sondern auch der Blick nach draußen schier grenzenlos scheint und vor allem die Sicht auf die Ampel auch aus der ersten Reihe super frei macht. Dafürsieht man das schöne Ambientelicht in Form einer Lichtleiste im Dach dann gar nicht mehr und die Wirkung der Sonnenblende geht natürlich auch verloren.

Damit wären wir ja eigentlich schon im Innenraum angelangt, und dort können wir im Prinzip auch bleiben, denn an der Karosserie hat sich ansonsten beim „neuen“ Grand C4 Picasso nichts geändert. Ach ja, am Rande sei noch erwähnt, dass die echten Türgriffe bei unserem Testwagen mit Chromstreifen verziert waren, was die Wertigkeit des Franzosen nochmals unterstreicht.

Mit Ausnahme der D-Säule, die ziemlich breit geraten ist, sind die restlichen Dachsäulen sehr dünn ausgefallen und tragen mit zur guten Rundumsicht bei, das Front-Ende ist dennoch nicht sonderlich gut absehbar, da weiß man die Parksensoren vorne und hinten schnell zu schätzen – und jetzt sind wir dann aber wirklich im Innenraum angekommen.

Indirektes Ambientelicht nicht nur am Dach, auch im Armaturenbrett, den Türen, sogar mit hinterstrahlten Türgriffen, beleuchteten Ablagefächern … auch wenn das nicht immer Serie ist, es sieht toll aus und macht echt was her. Das wird noch unterstützt durch die links und rechts außen am Armaturenbrett angebrachten Bedienelemente mit den kleinen Displays für die Klima- und Heizungssteuerung. Hat an sich erst mal an den ungewohnten Platz gewöhnt, ist das ganz prima, leider kann aber der Beifahrer aber nur auf seine Seite Einfluss nehmen.

Allerdings neu ist das alles auch nicht, und wenn es nur darum geht, könnten wir eigentlich den Innenraum gleich wieder verlassen, großartige Änderungen sucht man hier vergeblich, und auch die recht große Ansammlung von Schaltern im schicken Lenkrad mit der feststehenden Nabe, das uns vom Prinzip her sehr gut gefallen hat, ist altbekannt, wie die unrühmliche Tatsache, dass der Hupknopf nur aus einem schmalen Band besteht.

Alles andere als schmal ist das Platzangebot in Reihe eins, die Sitze sind elektrisch zu verstellen, allerdings etwas weich, dafür aber schön groß dimensioniert. Die Schalter sind ungewohnt an derInnenseite der Sitze untergebracht und vor allem der Schalter für die Sitzheizung versteckt sich recht weit hinten. Und wo wir schon bei Bedienelementen sind: der Wählhebel oben am Lenkrad für die Automatik wirkt doch sehr billig und machte den Eindruck, als wolle er jeden Moment abbrechen.

Da macht das Armaturenbrett mit seiner soliden Verarbeitung und dem teils angenehm weichen Material sowie den schicken Applikationen eine wesentlich hochwertigere Anmutung, die bei unserem Testwagen auch von den schicken Ledersitzen nochmals unterstrichen wurde. Der Ein- und Ausstieg gelingt bestens, also wieder raus und eine Reihe weiter hinten wieder rein, was ebenso gut gelingt. Auch hier empfangen uns Einzelsitze, drei an der Zahl. Auch sie bieten ein sehr bequemes und geräumiges Unterkommen, vor allem, wenn die Sitze ganz nach hinten geschoben sind. In der Breite wird es bei drei Erwachsenen aber trotzdem recht eng.

Blitzschnell sind die Sitze umgelegt um den Kofferraum zu vergrößern oder Passagiere auf die beiden Sitze in Reihe drei zu lassen, hier sitzen aber wie immer nur kleinere Menschen wirklich bequem. Unpraktisch bleibt die Tatsache, dass erst zwei Streben entfernt werden müssen, die Gepäckraumabdeckung und Trennnetz beherbergen.

Dass ein Familien-Fahrzeug wie der Visiovan von Citroën über zahlreiche Ablagen verfügt, sollte man schon voraussetzen, der Franzose hat dazu auch ausklappbare Tische an den Lehnen der Vordersitze und die Türfächer nehmen sogar große Getränkeflaschen problemlos auf.

Womit wir dann auch schon beim Kapitel Ladung, also dem Kofferraum angelangt wären. Alle fünf Rücksitze sind ebenso schnell verstaut wie wieder aufgebaut. Wird der gesamte Platz als Ladefläche gebraucht, so ist es erfreulich zu wissen, dass der Boden nicht nur ganz eben sondern auch sehr solide ausfällt. Sind alle Sitze belegt, schrumpft der Kofferraum auf doppelte Taschengröße, als Fünfsitzer bietet der Grand C4 Picasso aber schon 576 Liter – und das bis Fensterunterkante und bei zurückgefahrenen Sitzen. Könnendie nach vorne gefahren werden, sind es bereits 672 Liter und bei voller Beladung – dann als Zweisitzer – steckt der Franzose 1.951 Liter weg.

Und die lassen sich durch die große Heckklappe mit der niedrigen Ladekante auch prima ein- und ausladen, erst jenseits der 1,85 m Körpergröße besteht Anstoßgefahr. Für Kleinzeug reicht es ggf. sogar aus, nur die Heckscheibe hochzuklappen, sie ist aber nur im Topmodell Serie und ebenso hilfreich kann auch die Niveauregulierung an der Hinterachse sein, die serienmäßig ebenfalls der Ausstattung „Exclusive“ vorbehalten bleibt.

Was den Komfort angeht, ist der Picasso ganz Franzose, nicht nur die soeben geschilderten Annehmlichkeiten, auch die sanfte Automatik und der kultivierte Dieselmotor tragen viel zum Gesamtkomfort bei, der aber vor allem durch die entsprechende Fahrwerksauslegung bestimmt wird.

Die meisten Bodenunebenheiten kann der Citroën sauber wegfiltern, richtige schlechte Straßen lassen das Fahrwerk aber immer wieder mal poltern, gelegentlich gerät die Karosserie auch ins Schwingen. Eine weichere Feder- und Dampfereinstellung hat natürlich – vor allem bei einem recht hohen Fahrzeugaufbau wie beim Picasso – zur Folge, dass sich das Fahrzeug stark in die Kurve neigt und die Insassen dadurch auch ordentlich hin und her geschaukelt werden.

Zudem quietscht der Grand C4 Picasso ziemlich stark in schnell gefahren Kurven, was die meisten dann vor allzu forschem Tempo abhält, zumal der Wagen auch stark über die Vorderräder schiebt. Aber das Auto kann deutlich mehr als man sich traut, außerdem hilft ESP die Fuhre auf der Straße zu halten.

Unterm Strich will der Citroën aber seine Insassen möglichst bequem von A nach B bringen, Rasen ist nicht sein Ding. Und bei Eile mit Weile kann sich auch der Tempomat nützlich machen und den Wagen mit vorprogrammiertem Tempo bewegen. Zumindest solange es nicht bergab geht, dann nämlich hat die Elektronik ihre Probleme und der C4 wird schneller und schneller.

Ebenfalls auf Komfort getrimmt ist die leichtgängige Lenkung, mitder sich der Wagen gut dirigieren lässt, beim schnellem Kurvenritt ist das Gefühl für die Straße etwas zu ungenau.
Entsprechend dem komfortbetonten Fahrwerk geht auch die Bremsanlage zu Werke, lässt sich fein dosieren und spricht schon auf sanften Druck gut an. Verstärkt man den Druck auf das Bremspedal, greifen die Scheibenbremsen rundum, vorn innenbelüftet, angesteuert über sowie ABS (Antiblockiersystem) mit EBV (Elektronische Bremskraftverteilung) und Bremsassistent sehr ordentlich zu, lassen den Vorderwagen tief eintauchen und bei einer Vollbremsung die Reifen laut quietschen, trotzdem steht der Wagen aus Tempo 100 schon nach 36 Metern. Und auch auf schlechten Straßen mit schnell wechselndem Untergrund bleibt der Wagen sauber in der Spur.

Neu im Citroën Grand C4 Picasso ist der HDi 165 mit der Sechsgang-Automatik. Beide sind ideal dafür geeignet, den Fahrkomfort weiter zu steigern. So läuft der 2 Liter große Vierzylinder-Diesel mit Common-Rail-Einspritzung von Beginn an sehr kultiviert, wird allenfalls unter Volllast etwas kerniger, aber zu keiner Zeit störend.

So reichen die 120 kW / 163 PS zusammen mit dem maximalen Drehmoment von 340 Nm bei 2.000 Touren aus, um stets flott voran zu kommen. In weniger als 11 Sekunden geht es von Null auf Hundert und eine Topspeed von 190 km/h ist problemlos möglich. Hier macht sich allerdings die Automatik etwas negativ bemerkbar.

Wer es auch hier eher gemächlich angehen lässt, kann den Spritverbrauch von 8,7 Litern in der Stadt und 5,7 Litern außerorts sowie den Mixverbrauch von 6,8 Litern noch deutlich unterschreiten. Bei 120 km/h im Schnitt auf der Autobahn haben wir 6,4 Liter Diesel gebraucht, ein zurückhaltender Stadt-Land-Mix ist uns mit 6,2 Litern gelungen.

Und geht man es eher ruhiger an, ist man auch mit der Sechsstufen-Automatik bestens bedient. Sie schaltet die Gänge sehr sanft und dann auch ausreichend schnell, hat man es eilig, kommen einige Gangwechsel etwas unmotiviert rüber. Dann sollte man lieber in den manuellen Modus wechseln und selbst dieGänge wählen, was mit den Wippen am Lenkrad prima funktioniert und von der Automatik schnell und dennoch sanft erledigt wird, letztendlich greift sie dann aber doch oft vor dem Fahrer wieder ins Geschehen ein.

Hier war der Grand C4 Picasso schon immer topp: Vom Fahrer- und abschaltbaren Beifahrerairbag über Seitenairbags vorn, Kopfairbags für Reihe eins und zwei bis hin zum Fahrer-Knieairbag hat er anderen schon mal einen voraus. Dazu kommen Dreipunkt-Sicherheitsgurte auf allen sieben Plätzen, vorne höhenverstellbar und mit pyrotechnischen Gurtstraffern und -kraftbegrenzern sowie Kindersicherungen in Türen und Fenstern.

Optional kann für die von uns gefahrene Exclusive-Variante ein Sicherheitspaket für 1.600,- Euro mit dem AFIL-Spurassistent, der elektronischen Einparkhilfe, dem Parklückendetektor und mitlenkenden Bi-Xenon-Scheinwerfern inkl. Scheinwerferwaschanlage geordert werden.
Unser Citroën Grand C4 Picasso Exclusive steht mit 32.500,- Euro in der Preisliste, er ist nur in Verbindung mit der Sechsstufen-Automatik zu haben. Für diesen durchaus stolzen Preis bietet der Franzose aber auch richtig was.

Die Liste der serienmäßigen Ausstattung ist lang, fängt bei elektrisch verstell-, beheiz- und anklappbaren Außenspiegeln an, geht weiter über el. Fensterheber, Bluetooth, Einparkhilfe, automatisch abblendendem Innenspiegel, Luftfederung an der Hinterachse mit Niveauregulierung, Seitenlicht in den Außenspiegeln, Sonnenrollo an den hinteren Seitenfenstern in Reihe zwei und drei sowie an der Heckscheibe und endet noch lange nicht bei den Nebelscheinwerfern, dem CD-Radio mit MP3 Funktion, dem LED Tagfahrlicht, dem zweifach verstellbaren Lederlenkrad, der Klimaautomatik, dem Tempomat, der elektrischen Parkbremse und der Zentralverriegelung.

Und als würde das nicht schon genügen, hält die Aufpreisliste noch einige Dinge bereit, auf die der eine oder andere vielleicht nicht verzichten möchte. Hier seien mal nur die speziellen Alufelgen im 18 Zoll Format für 390,- Euro, eine Metallic-Lackierung für 500,-Euro, ein Navigations- und HiFi-Paket für 1.500,- Euro oder die Sitz-Pakete Alcantara für 1.300,- bzw. Leder „Claudia“ für 2.420,- und Vollleder „Yellowstone“ in hellbraun für 4.060,- Euro genannt.

Stand: Juni 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

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