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Chrysler 300C Touring – Big Business

Seit Fiat bei Chrysler ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat, wurde das Angebot ganz schön eingedampft. Ein Modell, das diesen Wandel gerade noch überlebt hat ist der 300C. Was für ein Auto, imposant allein schon was die Optik angeht, und auch der 3-Liter Diesel mit seinen 218 PS und vor allem den gewaltigen 510 Nm Drehmoment schon bei niedrigen 1.600 U/min macht was her, obwohl der Ami vor allem Cruisen will, dazu passt nicht nur die Lenkung am besten, auch die großen Sitze bieten für flotte Kurven etwas wenig Seitenhalt. Platz gibt es reichlich, doch die niedrigen Seitenfenster lassen es schon vermuten, im Kopfraum ist das Ende schneller erreicht. Der Kofferraum fasst ab 630 Liter, ganz schön, nur die Zuladung von ggf. nur 3250 kg ist ebenso mager wie die ungebremste Anhängerlast von 450 kg. Der Preis ist aber alles andere als big …

Er kreuzt jetzt doch schon einige Jährchen auf unseren Straßen, ist aber immer ein seltener und auch stets imposanter Anblick geblieben. Ein echter Straßenkreuzer mit über 5 Metern Länge, und vor allem als Kombi wirkt er noch viel länger.

Die Front stellt selbstbewusst den großen Gittergrill in den Fahrwind, alles ist wie aus einem Guss, reichlich Chrom am Grill und den Zierleisten, an den Türgriffen und Außenspiegeln sowie als Schutzleiste für die Stoßstange an der Ladekante verströmen schon einen gehörigen Hauch von Luxus. Die Einparkhilfe vorne und hinten kann bei so viel Auto auf keinen Fall schaden.

Zum massiven Body mit der hohen Gürtellinie passen die großen Räder, die die Radhäuser gut ausfüllen, bestens. Damit der Auftritt nicht zu gewaltig wird, fällt das Dach von der Frontscheibe an deutlich ab, die flacheSeitenscheiben unterstreichen die Länge.

Am Heck ist vor allem die Schürze richtig bullig, das sorgt aber auch für eine höhere Ladekante. Der Aufbau macht sich recht flach, so dass der 300C Touring breit auf der Straße steht. Zwei Auspuffrohre links und rechts sowie ein kleiner Dachkantenspoiler sorgen für den sportlichen Abschluss.

Wenn man den Innenraum des Chrysler 300C durch die großen, weit öffnenden Türen besteigt, fällt als erstes das ziemlich große Lenkrad auf, das aber mit Aluapplikationen und Chromringen, glattem und gelochtem Leder sehr schön gemacht ist. Auch die Mittelkonsole ist eine große Alu-Applikation und Chrom taucht dann an den Türgriffen, in Zierleisten und rund um die Schaltkulisse sowie die Getränkehalter wieder auf. Außerdem sind die hellgrau hinterlegten großen Rundinstrumente Tacho und Drehzahlmesser mit silbernem Glanz umgeben, für die beiden kleineren Anzeigen für Tank und Temperatur hat es dann aber nicht mehr gereicht. Dafür finden wir zusätzlich noch einige Holzapplikationen in der Tür wie über dem Kardantunnel.

Alles ist in einem schönen Türkis-Grün beleuchtet, sogar in den Türfächern findet sich ein diffuses Licht und um die Getränkehalter leuchten türkisgrüne Ringe. Und es leuchtet auch bei der Einparkhilfe, bekannt aus Mercedes-Benz-Fahrzeugen tut diese Technik mit auffälligen Leuchtdioden-Bändern vorne und hinten ihren Dienst, erst ziemlich spät setzt auch einen akustische Warnung ein.

Wer größer ist als 1,80 m muss den Sitz schon ganz nach unten fahren, um noch genügend Kopffreiheit zu haben, ansonsten sind die Platzverhältnisse prima, vor allem im Beinraum gibt es nichts zu meckern. Die Sitze sind groß dimensioniert und gut ausgeformt, der Seitenhalt ist aber trotzdem nurDurchschnitt. Die Verstellung erfolgt elektrisch und die Sitzheizung ist eine von der schnellen Sorte.

Unten in der Mittelkonsole finden wir klassische Drehschalter für Heizung und Lüftung, darüber ein modernes Navi-Bedien- und Monitor-Element (Handhabung und Wegweisung sind tadellos), darüber wieder eine klassische Uhr. Auch fürs Licht gibt es links neben dem Lenkrad einen Drehschalter, der ist nicht ganz so optimal, wir haben häufig versehentlich die Nebelscheinwerfer aktiviert.

Damit jeder seine optimale Sitzposition findet, lässt sich nicht nur der Fahrersitz prima verstellen, auch das Lenkrad ist elektrisch zweifach in Länge und Höhe justierbar und außerdem lassen sich die Pedale elektrisch verstellen. Zu all diesen Feinheiten will der etwas grob geratene innere Türgriff nicht so recht passen.

Dafür passt wieder der Platz auf der Rückbank, na ja, bei großen Passagieren geht der Kopfraum schnell zur Neige und die festen Kopfstützen sind auch zu kurz. Auf den beiden Außensitzen reist man aber sehr bequem, der Mittelsitz ist eher weniger gut geeignet. Es reicht, an einer Schlaufe zu ziehen, um die Lehne geteilt vorklappen zu lassen, allerdings bleibt der solide Ladeboden dann leicht ansteigend. Also Türen zu – das geschieht mit soliden echten Türgriffen und einem satten Schlag – und ab nach hinten ins Gepäckabteil.

Selten ist eine Stoßstange so gut gegen Ladekratzer geschützt, beim 300C übernimmt das eine Chromleiste. Und auch die Ladekante ist gut geschützt und der Laderaum ist über eine riesige Öffnung zu beladen, dazu wurde die Heckklappe weit ins Dach hineingezogen. Trotzdem öffnet die Klappe nicht weit genug, ab 1,85 m Körpergröße stößt man sich schnell am Schloss. Unter dem stabilen Boden des immerhin 630 Litergroßen Ladeabteils steckt ein weiteres Fach, darunter das Reserverad, links und rechts sind weitere Fächer für Kleinzeug.

Legt man die Sitze um, passen bis zu 1.602 Liter Gepäck in den Touring, beim Blick in die Zuladungstabelle fragt man sich aber schnell, was man da bloß einpacken soll, denn je nach Ausstattung sind nur 325 bis 390 kg Zuladung erlaubt. Und das bei so einem Schiff – und auch die Anhängelast ist mit ungebremsten 450 kg schon sehr gering, gebremst darf der Chrysler immerhin gute 1.900 kg an den Hacken nehmen.

Und wo wir schon beim Meckern sind, die Sicht nach schräg und hinten ist durch die kleinen Fenster ziemlich eingeschränkt und bei unserem Testwagen zeigte sich die Schlüsselerkennung als nicht sonderlich zuverlässig.

Unser Chrysler 300C Touring verfügte über ein angenehm straffes Fahrwerk, trotzdem ist man mit dem Dickschiff lieber cruisend als rasend unterwegs. Dabei gibt sich der 300C auch in schnell gefahrenen Kurven durchaus gutmütig, der Hecktriebler lässt sich bei zu hohem Tempo sanft vom ESP einbremsen und so sind Heckausbrüche kaum zu befürchten.

Die meisten Straßenunebenheiten werden ordentlich weggefiltert und die Laufruhe ist bestens, nicht nur was den Motor anbelangt, auch die Wind- und Abrollgeräusche sind niedrig. Zusammen mit dem guten Geradeauslauf empfiehlt sich der 300C als optimaler Reisewagen, zumal der Verbrauch des 3-Liter-Sechszylinders auch angenehm niedrig ausfällt. Und mit der straffen Lenkung lässt sich der Ami sauber auf Kurs halten, auch wenn mit dem großen Lenkrad bisweilen viel Lenkarbeit angesagt ist. Insgesamt reagiert der Chrysler schnell und ausreichend direkt auf die Lenkung.

So ein bisschen Eingewöhnung verlangt die Bremse schon, um mit Ansprechverhalten undDosierbarkeit gut zurecht zu kommen, dann aber kann man nicht meckern, auch wenn es bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 zum Stillstand rund 40 Meter (mit Winterreifen) dauert. Das ABS-Rubbeln zeigt deutlich das Arbeiten des ABS, dafür steht er sauber auch auf unterschiedlichen und schnell wechselnden Straßenoberflächen. Um die gut 2 Tonnen Leergewicht zu bändigen, verfügt der 300C Touring über innenbelüftete Scheibenbremsen rundum, und ein Bremsassistent hilft dem Fahrer zusätzlich.

Für viele braucht so ein Straßenkreuzer einen 5-Komma-irgendwas großen Achtzylinder mit vielen Hundert PS, mit dem 3.0 CRD mit „nur“ 160 kW / 218 PS, der noch aus der Kooperation mit Mercedes stammt, ist der Chrysler aber durchaus sehr gut bestückt. Denn nicht nur, dass der Motor angenehm ruhig und kultiviert läuft, er verleiht dem 300C mit seinen 510 Nm Drehmoment schon bei 1.600 U/min richtig Biss.

Voll gefordert, beschleunigt er den Wagen nicht nur in 8,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und weiter bis zu Topspeed von 230 km/h, er lässt dann auch einen herrlich kernigen, aber nie störenden Motorsound ertönen.

In Verbindung mit der Fünfgang-Automatik wird der Komfortgedanke wieder in den Vordergrund gestellt. Sanft und doch schnell gehen die Schaltvorgänge vonstatten, bei normaler Fahrt bekommt man kaum etwas davon mit, sobald es schneller voran gehen soll fehlt einem die ein oder andere Schaltstufe. Es lässt sich auch manuell eingreifen, auch dann reagiert die Automatik schnell und sanft. Vor allem in Kombination mit dem drehmomentstarken Diesel harmoniert die Automatik sehr gut.

Und wenn wir an den letzten Winter zurückdenken, dann war für den Hecktriebler oft nur dank der sanften Automatik an ein Weiterkommen zu denken, und selbst mit ihrwar bei schneebedeckten Straßen stets ein gefühlvoller Gasfuß erforderlich.

Und dieser gefühlvolle Gasfuß kann viel mit dazu beitragen, dass sich der 300C Touring 3.0 CRD mit 7,7 Litern Diesel im Mix bewegen lässt, in der Stadt sind es 10,2 Liter, was für die Fahrzeuggröße immer noch ein akzeptabler Wert ist und auf der Landstraße lässt sich der Straßenkreuzer sogar mit 6,2 Litern bewegen. Und auch wir haben es im Test meist mit 8 bis 9 Litern geschafft, und das obwohl wir nie langsam sondern meist ehr flott unterwegs waren.

Trotz aller Sparsamkeit und einem serienmäßigen Partikelfilter schafft der Sechszylinder-Motor nur die Abgasnorm Euro 4, er stößt im Mix 203g CO2 pro Kilometer aus.

Auch wenn der 300C Touring mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommen ist, bietet er mit mehrstufig auslösenden Front-Airbags für Fahrer und Beifahrer sowie Seitenairbags vorne und seitlichen Airbag-Vorhängen entlang der Fenster, Dreipunkt-Sicherheitsgurten (vorn mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern) sowie Kindersitzverankerungen (LATCH/ISOFIX) und Einklemmschutz an den Fenstern eine zeitgemäße Sicherheitsausstattung.

Für 43.390,- Euro bekommen Sie noch den 300 C Touring mit dem 3-Liter Sechszylinder-Diesel, allerdings sind die Wahlmöglichkeiten was die Sonderausstattungen angeht bereits stark reduziert, künftig wird Chrysler zusammen mit Lancia zu einer Marke verschmelzen und alles was jetzt noch verkauft wird, ist praktisch schon produziert.

Das ist aber kein Grund zur Trauer, denn die Grundausstattung ist sehr umfangreich, selbst die Einparkhilfe, Niveauregulierung, Radio und CD, el. verstell- und beheizbare Außenspiegel, el. verstellbare Sitze vorne, 2-Zonen-Klimaautomatik, Regensensor, Tempomat, Xenon-Scheinwerfer mitWaschanlage, Reifendruck-Kontrollsystem, Teilleder-Ausstattung, Zentralverriegelung und Alufelgen gehören dazu.

In die Werksatt muss der 300C Touring alle 20.000 sowie 40.000 km für einen Ölwechsel bzw. ein Wartungsintervall.

Stand: Juni 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

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