// Fahrbericht / Chevrolet Orlando 1.8

Chevrolet

Chevrolet Orlando 1.8

Seine Hülle ist in Richtung Crossover getrimmt, vermittelt den Eindruck von Fahrspaß und Abenteuer, dass er ganz praktisch kann zeigt er erst beim Blick hinter die Heckklappe, wo sich bis zu 1.487 Liter Stauraum, eine halbwegs niedrige, gut geschützte Ladekante, ein ebener Ladeboden (mit zwei großen Schlitzen links und rechts, in die so manches Kleinteil verschwindet) und zwei zusätzliche Sitze bereit halten. Die Rücksitze sind etwas hart, vorne sitzt man erster Klasse, und blickt auf ein schickes Ambiente mit feinem Materialmix. Er fährt sich gut, leise und mit viel Komfort, kann aber auch flott, soweit es der 141 PS starke Vierzylinder-Benziner zulässt. Dann steigt der Verbrauch schnell an, an den angegebenen Mix sind wir ohnehin nicht ran gekommen. Besonders interessant wird es beim Preis, der startet bei 18.990,- Euro.

Er trägt das typische Chevrolet-Gesicht, mit dem typischen Chevi-Grill und auf der Spange dazwischen thront riesengroß das Chevi-Logo. Und groß ist fast alles an diesem Van, der so gar nicht nach Familienkutsche sondern mehr nach Abenteuer- und Freizeit-Fahrzeug aussieht.

Aber warum auch nicht, ein praktisches Familienauto muss ja nicht unbedingt langweilig aussehen. Der Orlando verdankt seine gelungene Optik u.a. dem komplett umlaufenden Ansatz aus dunklem Kunststoff, der den Crossover-Touch perfekt rüber bringt. Und nicht nur an Front- und Heckschürze sowie den Seitenschwellern taucht der schwarze Kunststoff auf, auch an den markant ausgestellten Radläufen macht er sich sehr gut.

Und hier, also an den Radläufen, offenbart der Orlando eine einzige kleine optische Schwäche. Denn die Räder wirken ob der mächtigen Karosserie etwas schmächtig, dabei stecken eigentlich schon richtig große 225/50er Breitreifen auf 17 Zoll Felgen in den Radhäusern – zumindest beim LTZ, der Topvariante, und die kann auch mit 18-Zölllern aufgerüstet werden.

Als Eyecatcher macht sich der angedeutete Unterfahrschutz in mattem Chrom an Front und Heck sehr gut, ebenso die Chromleisten rund umden Kühlergrill und entlang der unteren Seitenfensterlinie, die mit ihrem Aufschwung am Ende die dynamische Linie des abfallenden Daches unterstützt.

Chrom veredelt dann auch in Form einer breiten Blende über dem Nummernschild das Heck, sie nimmt die Nummernschildbeleuchtung und das große Logo auf. Entsprechend der abgeschrägten Form der Heckleuchten verläuft auch das Heckfenster, besonders auffällig läuft die Dachreling bis an die Unterkante des Heckfensters aus.

Dass die einzelnen Dachsäulen, besonders die D-Säulen, ziemlich breit ausfallen macht sich zwar bei der Optik als solide positiv bemerkbar, bei der Rundumsicht sorgen sie aber für eine gewisse Eintrübung. Positiv und auf einen hohen Fertigungsgrad hinweisend, fallen hingegen die engen und exakten Spaltmaße wieder ins Auge.

Und schließlich sorgen die Lampenkombi unterhalb der Ladekante mit Nebelschlussleuchte und Rückfahrscheinwerfer in der Mitte sowie den flachen Streifen als Katzenaugen links und rechts für einen unverwechselbaren Auftritt. Dieser mittlere Teil der Stoßstange ist mit einer dunklen Kunststoffleiste verziert, die zugleich für einen optimalen Schutz vor Ladekratzer sorgt.

Und damit sind wir dann auch schon beim Innen-, sprich Kofferraum, denn an die bestens geschützte Stoßstange schließt sich eine ebenso gut geschützte aber nicht ganz niedrige Ladekante an. Dahinter folgt eine flache Stufe von wenigen Zentimetern nach unten und schon laden die 454 Liter Ladevolumen des gut nutzbaren Kofferraums zum Laden ein, die Heckklappe schwingt dazu weit hoch, erst jenseits der 1,85 m Körpergröße droht ggf. mal ein Anstoß.

Unter dem Boden steckt das Warndreieck und ein weiteres Staufach, Werkzeug wie Reserverad hat er nicht an Bord. Jetzt ein Zug an den Rücksitzen und die Lehnen klappen geteilt nach vorne, die Sitzfläche senkt sich dabei automatisch ab, dann nochmals ziehen und der gesamte Sitz klappt nach vorne hoch. Dann sollten allerdings die Sitze der ersten Reihe recht weit vorne stehen. Mit umgelegter zweiter Sitzreihe schafft man eine ebene Ladefläche und ein Stauvolumenvon bis zu 1.487 Litern, ein klappbarer Beifahrersitz soll künftig diese Flexibilität noch weiter erhöhen.

Der beschriebene Klappmechanismus der Rücksitze sorgt zudem dafür, dass man ganz bequem auf die Sitze der dritten Reihe gelangt, die sich ebenfalls schnell und einfach aus dem Boden holen lassen. Was stört und erst mal einen Platz sucht ist dann die Gepäckraumabdeckung und mit 89 Litern schrumpft der Kofferraum auf Taschengröße. Zum Wiederzusammenklappen muss man an den Kofferraum ran, die Kopfstützen klappen automatisch mit weg. Kleiner Wermutstropfen: dort wo die eingeklappten Sitze der Reihe drei an die der zweiten Reihe stoßen, ergeben sich links und rechts ziemlich große Lücken, in die so manches kleinere Ladegut schnell mal verschwinden kann.

Die Sitze der Reihe zwei und drei sind ziemlich hart gepolstert und auch kaum ausgeformt, wer sich in Reihe drei niederlässt, sollte nicht zu groß sein, die Beine liegen nie auf, der Kopfraum reicht allerdings auch für 1,80 m große Passagiere aus.

Die finden in Reihe zwei ein gutes Unterkommen, auch wenn vorne 1,80 m große Menschen Platz genommen haben. Selbst das Rein und Raus gelingt gut, nur für die Füße wird es beim Ausstieg an der B-Säule etwas eng.

Platz im Überfluss gibt es natürlich in Reihe eins, zudem sind hier die Sitze angenehm straff gepolstert, groß dimensioniert und gut ausgeformt, was für einen guten Seitenhalt sorgt. Die Lehnenverstellung erfolgt zwar mittels Hebel, bietet aber trotzdem eine feinrastrige Justierung, Fahrer- und Beifahrersitz können zudem höhenverstellt werden. Dank hohem Hüftpunkt erfolgt der Ein- wie Ausstieg stets sehr bequem.

Nachdem wir die optimale Sitzposition schnell gefunden haben, schweift der Blick über einen gefälligen Innenraum, der mit fließenden Linien, einer schwungvollen Armatur und einem schicken und hochwertigen Materialmix aus angreiffreundlichem Kunststoff, schwarzem Klavierlack und silbernen Applikationen aufwartet.

Die Bedienelemente für die Heizung/Lüftung/Klima sind eine Spur zu weit nach unten gerutscht, sind aber einfach zubedienen, unterhalb des Montitors ganz oben im Armaturenbrett sind die Navi- und Radio-Bedienelemente zusammengefasst, besonders im Kreis in der Mitte sind etwas viele und zudem recht kleine Tasten untergebracht. Das gesamte Bedienfeld kann aufgeklappt werden und ein „Geheimfach“ kommt zum Vorschein.

Das Navi sorgt für eine sichere Zielankunft, diverse Einstellmöglichkeiten lassen sogar alle Staus im Umfeld aufscheinen, man ist damit zwar bestens informiert, da jedoch die meisten Meldungen nicht auf der eigentliche Strecke liegen, nervt diese Art der Information aber recht schnell.

Dass der Orlando mal seinen Ursprung in der koreanischen Marke Daewoo hat merkt man ihm ebenso wenig an wie die amerikanische Herkunft. Auch nicht beim Fahrwerk, und das ist richtig gut so. Denn der Van verfügt über ein angenehm straffes Fahrwerk mit gutem Komfort, das auf den Grundkomponenten der Limousine Cruze aufbaut.

Die gefühlten Karosserieneigungen liegen hauptsächlich an der erhöhten Sitzposition und der hoch aufbauenden Karosserie, insgesamt geht der Van sicher aber mit deutlichem Untersteuern auch um flott gefahrene Kurven, lässt sich dabei mit der exakten, direkten und ebenfalls angenehm straffen Lenkung gut dirigieren. Das serienmäßige ESP greift zwar bei engen Kehren spürbar ein, nimmt dem Wagen aber nicht jeglichen Schwung, sodass man auch gerne mal flotter unterwegs ist. Bevor jedoch das ESP zur Sicherheit aktiv wird, werden sich die meisten Fahrer vom recht früh einsetzenden Reifenquietschen und dem Drang des Fahrzeugs zum Kurvenrand zur Mäßigung animieren lassen.

Dabei liegt bei einem Van der Fokus sicher mehr auf komfortablem Cruisen, und hier zeigt sich der Orlando auch auf schlechten Strecken oder gar Kopfsteinpflaster gut gerüstet, nur grobe Schlaglöcher dringen deutlich nach innen, in erster Linie aber leicht poltern von der Hinterachse. In der Stadt gibt sich die geschwindigkeitsabhängig arbeitende Servolenkung spielerisch leichtgängig.

Recht wenig bekommt man innen auch von den Wind- und Abrollgeräuschen mit, und im Falle unseres 104 kW starkenBenziners halten sich auch die Motorgeräusche gut zurück, der Geradeauslauf ist gut und so empfiehlt sich der Orlando auch für lange Autobahnetappen.

Mit Scheibenbremsen rundum, vorn innenbelüftet, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und hydraulischem Bremsassistenten ist der Chevi auch wenn es ums Verzögern geht gut gerüstet. Eine Vollbremsung aus Tempo 100 erledigen die gut dosierbaren und schnell ansprechenden Bremsen auch nach dem zehnten Versuch noch mit rund 39 Metern Bremsweg.

Dabei ist es besonders gut zu wissen, dass auch auf unterschiedlichen Untergründen und schlechten Straßen die ABS-Bremsen den Wagen sicher in der Spur halten.

Ist eine saubere Windschutzscheibe eine Frage des Komforts oder sollte das eher in die Rubrik Sicherheit? Egal, wichtig ist, dass der Orlando gleich aus sechs Düsen sein Wischwasser auf die Scheibe spritzt so dem Schmutz zu Leibe rückt.

Aus dem Motorenangebot mit zwei Dieseln und einem Benziner haben wir uns für unseren Testwagen für den Benziner entschieden. Keine schlechte Wahl, denn der Vierzylinder-Sechszehn-Ventiler mit 104 kW/ 141 PS kann vor allem mit seiner großen Laufruhe begeistern und obwohl „nur“ von 176 Nm Drehmoment beflügelt gefällt auch sein ordentlicher Vortrieb.

Dabei ist diese Motorisierung nur mit einer Fünfgang-Schaltung kombiniert, die aber die unteren Gänge so kurz übersetzt, dass stets ein flottes Vorwärtskommen garantiert ist. Die oberen Gänge sind hingegen länger übersetzt, und so vermisst man allenfalls auf längeren Autobahnetappen den nicht vorhandenen sechsten Vorwärtsgang.

Der Schalthebel flutscht auf kurzen und exakten Wegen angenehm straff durch die Kulisse und eine Schaltempfehlung, die aber nur immer das Hochschalten anrät, hilft dem Fahrer, einen möglichst spritsparenden Fahrstil an den Tag zu legen. Folgt man diesen Empfehlungen, unterstreicht das ein leises, dezentes Motorbrummen, nur voll gefordert wird der Sound kernig, aber nie aufdringlich. Auch hier ein kleines Manko: die Armlehne sorgt heruntergeklappt dafür, dass man den Schalthebel nicht optimalerreicht, ist sie oben, stößt man sich leicht an ihr den Ellenbogen.

Der größte Vorteil der zurückhaltenden Fahrweise liegt natürlich im reduzierten Verbrauch, wir haben dann im Stadt-Land-Mix 8,0 Liter verbraucht, ein forscher Gasfuß triebt den Verbrauch locker auf 9,7 Liter Super in die Höhe, um die von Chevrolet angegebenen 7,3 Liter im Mix zu erreichen, muss man schon sehr defensiv fahren. Für die Stadt liegen die Werksangaben bei 9,7 Liter, außerorts sind es 5,9 Liter.

Wo wir schon bei Zahlen und Fakten sind: in 12 Sekunden sprintet der 1,8 Liter Benziner aus dem Stand auf Tempo 100 und weiter geht es bis zur Topspeed von 185 km/h. Oben rum geht dem Van aber auch schnell mal ein bisschen die Luft aus, besonders wenn er voll besetzt/beladen ist. Der CO2-Ausstoß beträgt im Mix 172 g/km, er erfüllt die Abgasnorm Euro 5.

Mit zwei Front-, zwei Seiten- und zwei Fensterairbags durchgehend erfüllt der Orlando den gängigen Standard. Hinzu kommen höhenverstellbare Automatikgurte mit Gurtkraftbegrenzern und Gurtstraffern vorne, ansonsten normale Dreipunktgurte und Kopfstützen auf allen sieben Plätzen, in Reihe drei aber etwas zu kurz.

ISOFIX-Befestigungen gibt es an den hinteren Außensitzen, Crash-Sensoren entriegeln bei einem Unfall automatisch die Türen.

Unser Testwagen, der Chevrolet Orlando 1.8 startet als LS bei 18.990,- Euro, der LT bei 20.490, der LT+ beginnt bei 21.390,- Euro und das Topmodell LTZ startet bei 23.890,- Euro. Allen gemein ist eine sehr ordentliche Grundausstattung, die bereits in der Basisversion elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, eine Dachreling, ein MP3-fähiges CD-Radio, elektrische Fensterheber vorn und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung beinhaltet.

Das zweifach verstellbare Lenkrad gibt es ab der Ausstattung LT, wie auch die Klimaanlage, elektrische Fensterheber auch hinten, eine Einparkhilfe, Radio-Fernbedienung, Lederlenkrad und -schaltknauf.

Beim LT+ sind u.a. auch eine Klimaautomatik und Nebelscheinwerfer serienmäßig, beim Topmodell auch die 17 Zoll Alus, ein Regensensor und dasNavigationssystem. Als Sonderausstattungen gibt es z.B. eine Lederausstattung, 18 Zoll Alufelgen, ein elektrisches Glas-Hub-Schiebedach und eine Metallic-Lackierung. Die Versicherungseinstufungen lauten 17/20/20 für HPF/TK/VK.

Stand: August 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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