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Chevrolet Cruze – Der angenehme Begleiter

Dass der Cruze eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Opel Insignia ist, sieht man ihm wahrlich nicht an, dass er in der von uns gefahrenen Version 1.8 LT mit 141 PS nur 19.990,- Euro kostet auch nicht. Er sieht hochwertig aus, irgendwie amerikanisch, dazu mit einer ganzen Portion Sportlichkeit, auch wenn er das im Fahrbetrieb nicht ganz leisten kann. Aber man ist gerne mit ihm unterwegs, Sitze, Platzangebot, Fahrkomfort und Ausstattung passen. Die kleinen Macken kann man ihm leicht verzeihen, so schwingt z.B. der Kofferraumdeckel schnell hoch und auch wieder zu, seine Scharniere drücken aufs Gepäck, was noch? Er wird schnell laut, braucht aber Drehzahl, um wirklich flott zu sein. Alles weitere lesen Sie in unserem Test.

Der Preis ist eigentlich das einzige, was noch daran erinnert, dass der Cruze im Prinzip mal ein Daewoo war, der jetzt unter der Flagge von Chevrolet segelt. Sehen kann man das nicht mehr, er sieht nicht aus wie ein Asiate, eher amerikanisch, sportlich, muskulös, bullig. Am markantesten ist der große, zweigeteilte Kühlergrill, die trennende Spange trägt stolz das große Chevi-Logo. Allein das macht schon was her.

Flankiert wird der Kühler von zwei bis an die stark ausgestellten Radhäuser reichenden Scheinwerfern mit serienmäßig eingebautem „bösen Blick“, darunter eine tief heruntergezogene Frontschürze mit schick integriertenNebelscheinwerfern. Der massive Body steigt fast gradlinig nach hinten an, darüber schwingt sich eine coupéhafte Dachkuppel.

Beide laufen in einem hohen Heck aus, das zusammen mit den breiten C-Säulen leider auch für eine eingeschränkte Rundumsicht sorgen. Das kurze Stufenheck lebt von den auffälligen Rückleuchten, auch hier prangt das große Logo des Amerikaners, die Heckschürze ist schwungvoll angesetzt, zeigt sogar so was ähnliches wie einen Diffusor, kann aber nicht mit der sportlichen Front Schritt halten, zudem versteckt sich auch noch der Auspuff.

Na, irgendwo müssen die doch gespart haben? Haben die auch, und zwar erst mal beim Kofferraumdeckel. Denn der schnellt beim Öffnen blitzschnell nach oben und dann auch sofort wieder zurück. Doch damit nicht genug, es fehlt ein echter Zuziehgriff und zu allem Übel drücken dann die Scharniere noch auf’s Gepäck, den scheppernden Klang beim Schleißen wollen wir mal nicht so genau nehmen.

Schade eigentlich, denn mit einem Stauvolumen von 450 Litern kann man gut leben, und wenn es sein muss lässt sich der mit einem Griff deutlich vergrößern, und dazu müssen nicht mal die Kopfstützen entfernt werden. Kleines Manko, die entstehende Ladefläche ist nicht ganz eben sondern steigt leicht an, Höhe der Ladekante, anschließende Stufe und galtet Wände zur optimalen Nutzung sind okay.

Also steigen wir mal ein, zuerst auf den Rücksitzen. Hier macht sich die starkabfallende Dachlinie etwas negativ bemerkbar, große Passagier kommen dem Dach schnell sehr nahe. Das ändert sich, sobald man drin sitzt, dann ist nicht nur die Beinfreiheit selbst hinter großen Fahrern noch prima, auch die Kopffreiheit kann sich sehen lassen.

Gut, dann in die erste Reihe. Hier gibt es weder beim Ein- und Ausstieg noch in Sachen Platzverhältnisse was zu meckern. Man nimmt auf großen Sitzen Platz, die angenehm straff gepolstert und ordentlich ausgeformt sind. Der Fahrersitz ist sogar höhenverstellbar, das Lenkrad in Höhe und Weite verstellbar, so findet man schnell die richtige Sitzposition. Trotzdem kann es bei großen Fahrern dazu kommen, dass sie, sobald sie mit Tempomat unterwegs sind, mit dem „in Ruheposition gestellten“ rechten Bein, genauer gesagt mit dem Knie, den Drehregler der Heizung berühren und unbeabsichtigt die Temperatur verstellen.

Dabei verstellt sich die gewählte Temperatur ohnehin immer wieder mal von ganz alleine und sorgte bei eisigen Außentemperaturen immer wieder mal für einen Kälteschauer. Benörgeln möchten wir auch die nicht beleuchten Tasten der Lenkradfernbedienung und die ansonsten modernen Tasten sind vor allem in der Kreisform schnell mal verwechselt, sind zudem sehr klein und liegen noch dazu nahe beieinander.

Das war’s aber auch schon, am gefälligen Cockpit in schicker zweifarbiger Ausführung gibt es nichts zu meckern, das Navi ist nicht nur in optimaler Höheangeordnet, es ist einfach zu bedienen und glänzte mit einer hervorragenden Stauumfahrung, melde sich sogar dann mit einem dicken Stau zu Wort, wenn es eigentlich gar nicht aktiviert war.

Klar, dass über weite Strecken Kunststoff verwendet wurde, aber es macht auf keinen Fall eine billigen Eindruck. Der gefällige Materialmix mit u.a. silbergrauen Applikationen bis ins Lenkrad kann sich absolut sehen lassen. Einen Punkt müssen wir aber dann doch noch bemängeln. Die diversen Warntöne z.B. für die Einparkhilfe sind in der leisesten Stellung praktisch gar nicht und in der lautesten auch nur mühsam zu hören.

Der Cruze ist also ein Chevrolet, also ein Ami. Also weich wie ein Straßenkreuzer? Von wegen. Der gefundene Fahrwerkskompromiss kann voll überzeugen. Die angenehm straffe Grundauslegung lässt ihn zwar auf groben Schlaglöchern etwas poltern, bietet aber ansonsten eine guten Komfort, und doch lässt es sich mit dem Cruze prima auch mal richtig flott um die Kurven flitzen.

Da kommt dann richtig Freude auf, zumal sich das Schieben über die Vorderräder in engen Grenzen hält und ggf. das serienmäßige ESP dezent aber wirkungsvoll eingreift, die straffe Auslegung unterbindet zudem jede übertriebene Karosserieneigung. Die Lenkung arbeitet angenehm straff und, wenn auch mit kleiner Verzögerung, ausreichend exakt, um ein gutes Gefühl für die Straße zu haben.

Gespart hat man auch nicht bei der Bremsanlage, die mitHilfe von ABS und Traktionskontrolle sowie elektronischer Bremskraftverteilung die vier Schiebenbremsen (vorn innenbelüftet) bestens ansteuern. Selbst bei einer Vollbremsung ist nur ein leichtes ABS-Rubbeln zu vernehmen und der Cruze steht aus Tempo 100 nach rund 38,5 Metern, konstant auch nach der 10. Vollbremsung. Dosierbarkeit und Ansprechverhalten sind ebenfalls tadellos.

Unser Testwagen war mit dem größeren 1,8 Liter der beiden Benzinmotoren ausgestattet. Seine 104 kW/141 PS liegen bei 6.200 U/min an und das maximale Drehmoment von 176 Nm steht bei 3.800 U/min zur Verfügung. Das ganze ist gepaart mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe.

Da hätte man besser nicht gespart, denn zum einen fehlt unbedingt ein sechster Gang, das Aggregat wird bei hohem Autobahntempo ziemlich laut und brüllt dann mit den schnell einsetzenden Windgeräuschen um die Wette. Zudem zeigt sich der Motor nicht unbedingt von seiner spritzigen Seite, es fehlt ihm einfach an Durchzug.

So geht der Cruze 1.8 eher verhalten ans Werk, will man ihn flott bewegen braucht er Drehzahl und wird dann schnell laut. Die Schaltung arbeitet ausreichend straff und auch die Wege sind okay was die Länge anbelangt, insgesamt machen die Schaltvorgänge aber immer wieder mal einen Hakler.

Kommt man flott durch die Gänge, sprintet der 1.8 in 10,0 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und auch die Topspeed von 195 km/h kann man als absolut ausreichend bezeichnen. In SachenVerbrauch macht der 1.8 keine schlechte Figur, wenn man es darauf anlegt kann man außerorts auch unter den angegebenen 5,3 Litern bleiben, auf unserer Normstrecke haben wir im Mix 6,6 Liter Super verbraucht, in der Stadt sind es aber immer noch 9,3 Liter, die sich der Cruze auf 100 km genehmigt. Der CO2-Ausstoß liegt im Mix bei 159 g/km und der Motor erfüllt die Abgasnorm Euro 5.

Im Bereich der Sicherheitsausstattung hat Chevi auch nicht gespart, der Cruze erfüllt die gängigen Features. Fahrer und Beifahrer werden von Front- und Seitenairbags geschützt, zusätzlich reichen die Fensterairbags bis in den Fond. Drei-Punkt-Automatikgurte sind ebenso auf allen Plätzen montiert wie höhenverstellbare Kopfstützen.

Wir haben es bereits mehrfach erwähnt, der Chevrloet Cruze ist alles andere als ein Billigheimer, und doch startet er bei 14.990,- Euro. Unser 1.8 LT mit Schaltgetriebe kostet 19.990,- Euro und ist umfangreich ausgestattet.

So gehören Nebelscheinwerfer, Zentralverriegelung, elektronisch gesteuerte Klimaanlage, CD-Radio mit 6-fach CD-Wechsler und 6 Lautsprechern, Audio-Fernbedienung, Bordcomputer, Lederlenkrad und –schaltknauf, elektrische Fensterheber vorne und hinten, automatisch abblendender Innenspiegel, Parksensoren hinten, Alufelgen, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Regensensor und noch so einiges mehr zum Serienumfang.

Gegen Aufpreis kann ein Navi für 800,- Euro, eine Lederausstattungim Exclusive-Paket mit beheizbaren Sitzen vorne, CD-Radio mit Navi für 1.700,- Euro oder zusätzlich mit einem elektrischen Glas-Schiebe-Hubdach für 2.320,- Euro ordern. Metalliclack kostet dann noch 420,- Euro.

Stand: April 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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