// Fahrbericht / Chevrolet Cruze 1.8 LTZ 5trg.

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Chevrolet Cruze 1.8 LTZ 5trg.

Stufenheckmodelle sind bei uns zumindest in der Kompaktklasse eigentlich weniger gefragt, da wundert es also kaum, dass Chevrolet der Limousine eine Schrägheck-Variante nachschiebt, um sich vom großen Kuchen der Golfklasse eine etwas größere Schiebe abzuschneiden. Die Unterschiede beschränken sich natürlich rein auf den hinteren Teil und hier vor allem auf den Kofferraum. Der ist auch schön groß, muss sich aber ein paar Minuspunkte ankreiden lassen: die hohe Stufe nach der ansonsten in angenehmer Höhe befindlichen Ladekante, die Stufe um Ladeboden nach dem Umklappen der Rücksitze und die leicht ansteigend Ladefläche nach vorne hin. Verarbeitung und Materialanmutung sind okay, können aber nicht an Golf oder Astra heranreichen, dafür schlägt der Cruze sie alle in Preis und Ausstattung.

Er trägt das typische Chevi-Gesicht mit dem markanten Kühlergrill, der durch eine breite Spange zweigeteilt ist und die das große Logo stolz in den Wind hält. Die großen Scheinwerfer geben den Schwung nahtlos an die Seitenlinie weiter, in die sie spitz auslaufen und sich an die ausgestellten Radläufe anschmiegen.

Aber was schreiben wir das noch, die Front ist mit der Cruze-Limousine identisch, die Unterschiede bei unserem Testwagen fangen erst an den hinteren Türen an, wo das Schrägheckmodell eigene Wege geht. Und hier läuft der sanfte Dachschwung in einem schicken Dachkantenspoiler aus, der gleich auch die dritte Bremsleuchte aufnimmt.

Damit harmoniert gut die ansteigende Schulterlinie die nicht nur Dynamik sondern auch einen Hauch von Dreitürer vermittelt. Sportlichkeit vermittelt auch der kleine Bürzel unterhalb des schräg stehenden Heckfensters und die große Heckschürze, die mit der Vertiefung, diedas Nummernschild aufnimmt und der Ausformung am unteren Ende eine Art Diffusor andeutet. Fast schade, dass sich der Auspuff dahinter versteckt.

Die Spaltmaße sind eng und exakt, die Türen werden mit echten Türgriffen geöffnet. Schnell fällt auf, dass die Türen schwer sind und die Türhalter nicht dazu geeignet sind, diese bei schon leichter Neigung auf zu halten.

Im Innenraum hat man sich alle Mühe gegeben, einen Unterschied zum deutschen Pendant von Opel herzustellen, zur Limousine sind die Unterschiede ausschließlich auf der Rückbank und im Kofferraum zu finden.

Also ist uns in Reihe eins erst mal alles gut bekannt, alle Bedienelemente sind gut beleuchtet, auch die Schalter im Lenkrad, die türkise Lichtfarbe ist wie immer reine Geschmacksache. Der Cruze hat einen Tippblinker, also nur einmal kurz tippen und er blinkt automatisch drei mal und auch das Fernlicht kann sich und vor allem den Fahrer gut sehen lassen. Die vielen kleinen Tasten im Kreis der Bedieneinheit unterhalb des Bildschirms sind zwar unterschiedlich ausgeführt, können aber doch schon mal ablenken.

Richtig schick macht sich die Stoffverkleidung, die von den Türen bis hin zu einem großen Element am Armaturenbrett reicht. Die Armlehne kann man zwischen den Sitzen schön nach vorn fahren, was auch nötig ist um den richtigen Abstand zwischen Schalthebel und Lehne zu bekommen. Allerdings rutschte sie in unserem Testwagen sehr schnell wieder zurück und knarrte und klapperte zudem recht nervig.

Immer gut informiert ist man durch das multifunktionale Infoteil, bei dem man zwischen den großen Rundinstrumenten zahlreiche Dinge wie Durchschnittsgeschwindigkeit, Verbrauch, Reichweite etc. abrufen kann. Leider ist das Navigationssystem während der Fahrt nicht zu bedienen – schade damit hätte derBeifahrer auch immer wieder mal eine Aufgabe – ansonsten gefällt es durch eine gute Menüführung und gute Navigation.

Gut gefallen hat uns auch die Musterkombination der Sitze und auch wie man sitzt, das Gestühl ist schön straff bezogen, man fühlt sich gut eingepackt. Wir fragen uns aber, wie ein korpulent geformter Fahrer hier Platz finden soll? Die manuelle Sitzverstellung ist an sich ganz gut gelöst, doch der Hebel für die Lehnenverstellung wird durch die Gurtpeitsche etwas verdeckt.

Was schnell auffällt ist die Tatsache, dass die A-Säulen recht breit ausgefallen sind, da verschwindet schnell mal ein ganzer Radfahrer dahinter. Die B-Säulen stehen zudem bei einer Körpergröße von 1,80 m ziemlich dicht vor dem Kopf und damit vor den Augen und schließlich sind die C-Säulen ebenfalls sehr breit, nur gut dass man den Cruze gut auf Rückspiegel einparken kann und eine Einparkhilfe unterstützend wirkt.

Der Ein- und Ausstieg gelingt vorne besser als hinten, aber insgesamt gut, man sollte aber ein wenig auf seinen Kopf achten, in Reihe zwei wird nur der Fußraum etwas eng. Als 1,80 m großer Mitfahrer hat man hinter einem ebenso großen Fahrer gerade so ausreichend Beinraum zur Verfügung, der Kopfraum reicht aus, ist größer als bei der Limousine, die Kopfstützen sind allerdings etwas kurz. Richtig gut sitzen hinten zwei Erwachsene, der Mittelsitz ist nur eine Notlösung.

Sind alle Sitze besetzt, büßt der Schrägheck-Cruze mit seinen 413 Litern Stauvolumen gegenüber der Limousine mit 450 Litern etwas ein, das ändert sich aber schnell, wenn man die Rücksitze umlegen kann. Dann gehen bis Unterkante Fenster bis zu 883 Liter in den Fließheck, allerdings bleibt nach dem Ziehen an der Verriegelung und dem Vorklappen der Lehne eine gut 5 cm hohe Stufe im Bodenund die Ladefläche steigt nach vorne hin leicht an.

Trotz eines versteckten Halters für die Gurte/Gurtschlösser verheddern sich diese gern mal. Ansonsten ist der Kofferraum gut nutzbar, die Heckklappe schwingt weit hoch, erst jenseits der 1,85 m besteht vielleicht Anstoßgefahr. Die Ladekante ist in angenehmer Höhe, nur die anschleißende gut 20 cm hohe Stufe nach unten erschwert das Be- und Entladen vor allem von schwereren Gegenständen. Unter dem Boden steckt ein Verbandkasten und statt eines Reserverades ein Reifen-Reparaturset.

Zahlreiche Ablagen im Innenraum nehmen den täglichen Kleinkran auf und Getränkehalter können 0,5- und sogar 1,5-Liter große Flaschen sicher wegstecken.

Das Fahrwerk des Cruze ist insgesamt straff ausgelegt, so spürt man doch die meisten Bodenunebenheiten recht gut im Innerraum. Und wenn der Untergrund stark wechselt oder gar starke Wölbungen im Asphalt auftreten, dann kann der Cruze auch schon mal deutlich versetzen. Dafür liegt er gut in schnellen Kurven und zeigt auch nur geringe Karosserieneigungen.

Geht man in Kurven ans Limit greift das ESP sichtbar aber wenig spürbar ein, trotzdem bleibt der Cruze ganz gut beherrschbar, auch wenn er schnell vom Unter- ins Übersteuern wechselt. Muss man in flott gefahrenen Kurven bremsen, wird die Karosserie ziemlich leicht und der Wagen drängt über alle Viere nach außen, das ansonsten sichere Gefühl geht hier etwas verloren.

Wer im Cruze lieber Cruisen will, findet mehr als ausreichend Komfort um auch lange Strecken bequem zu überstehen, nur bei wirklich groben Schlaglöchern fängt er etwas das Poltern an und dann knarzt es auch schon mal im Armaturenbrett.

Der Cruze reagiert direkt und exakt auf die Lenkung, lässt sich gut handeln, der Kontakt zur Fahrbahn könnte aber mitzunehmender Geschwindigkeit etwas besser sein, auch bei hohem Autobahntempo wirkt er etwas zu leichtfüßig. Im Slalomtest folgt er willig der Lenkung.

Die Bremsanlage hinterließ während unserer Testfahrten einen soliden und sicheren Eindruck, so war unser Testwagen serienmäßig mit Bremsscheiben rundum (vorne innenbelüftet) ausgestattet und mit ABS, elektronsicher Bremskraftverteilung und Bremsassistent bestückt.

Und so zeigte er sich in unseren Tests auch bei Nässe oder ungleicher Fahrbahn stabil und spurtreu. Die Bremsen ließen sich gut dosieren und sprachen sehr spontan an. Aus Tempo 100 steht der Cruze nach guten 37 Metern, allerdings wird bei warmer Bremse der Weg etwas länger.

In unserem Testwagen ging der 1,8 Liter Benzinmotor mit vier Zylindern und 104 kW/141 PS bei 6.200 U/min ans Werk, das sollte eigentlich ausreichen, wenngleich das maximale Drehmoment von 176 Nm bei 3.800 U/min schon ein deutliche Sprache spricht. Als Topmotorisierung bei den Benzinern scheint die gebotene Leistung aber zumindest für den deutschen Markt etwas wenig.

Das Aggregat startet kultiviert und wird selbst gefordert nie störend laut, aber die gebotene Leistung kann auch nicht mehr als genügen. Passend zur flotten Optik würde man sich doch etwas mehr erwarten. So sprintet der Cruze 1.8 in 10,1 Sekunden auf Tempo 100 und wird 195 km/h schnell, das reicht, störender wirkt sich der schwache Durchzug aus, der einen öfters zum Schalthebel greifen lässt.

Zwar flutscht der Schalthebel gut durch die Kulisse, die Wege sind kurz und die Führung ist angenehm straff, aber es fehlt ein sechster Gang. Und man braucht, will man flott vorankommen, richtig Drehzahl. Folgt man hingegen der Schaltempfehlung die nur das Hochschalten empfiehlt und das auch noch recht früh, kann man an somanchem Berg regelrecht verhungern.

Und auch bei Vollgas auf der Autobahn könnte der nicht vorhanden sechste Gang den Geräuschpegel und letztlich auch den Verbrauch etwas dämpfen. Dabei kann man den Cruze auch so durchaus sparsam bewegen. Reine Außerortsfahrten sind – langsam versteht sich – mit rund 5,5 Litern kein Problem, wir haben während unserer Testphase im Stand-Land-Mix meist aber bei angepasster Fahrweise um die acht Liter konsumiert. Wenn man sich auf der Autobahn an die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h hält kann man ihn mit 7,2 Litern fahren.

Die Sicherheitsausstattung wurde natürlich von der Limousine übernommen, sie umfasst sechs Airbags (Front, Seiten- und Windowbags), Dreipunkt-Automatikgurte auf allen Plätzen, vorne mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern und fünf Kopfstützen, die angenehm nah am Kopf stehen.

Damit schafft der Cruze auch ein gutes Ergebnis im Euro NCAP-Crashtest, so Dinge wie Müdigkeitswarner, Fahrspur-Überwachung etc. sucht man aber vergebens.

Bei allem, was man zum Chevrolet Cruze aber auch immer zu sagen oder vielleicht zu bemängeln hat, sollte man stets den Preis und die dazugehörige Ausstattung im Auge behalten. Denn unser Testwagen, der Cruze Fünftürer in der LTZ-Ausstattung steht mit 21.790,- Euro in der Liste.

Und dann ist auch eine umfangreiche Serienausstattung an Bord, zu der u.a. 17 Zoll Alufelgen, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, ein Lederlenkrad, Bordcomputer, und sogar das Navigationssystem gehören, um an dieser Stelle mal nur die wichtigsten Dinge aufzuzählen.

Wie umfangreich die Grundausstattung ist, zeigt vor allem ein Blick in die Aufpreisliste. Hier sind als wichtige Elemente nur die Metallic-Lackierung für 490,- Euro und dasExclusive-Paket u.a. mit Ledersitzen und Sitzheizung vorne sowie einem Glas-Schiebe-Hubdach für 1.900,- Euro zu nennen.

Die Versicherungseinstufung für unseren Testwagen lautet 20 / 18 / 18 für HPF / VK / TK.

Stand: August 2012; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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