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♫♪♫ 36° und es wird noch heißer … Fiat 500C

Das Gefühl dieses Kultsongs überkommt einen ganz spontan, wenn man sich nur dem kleinen Kultflitzer nähert. Und das auch, wenn gerade gar keine Sonne scheint. Der Fiat 500C hat die Sonne im Herzen und er verwöhnt mit guter Stimmung, auch wenn der schlechte Radioempfang in unserem Testwagen nicht immer begeisterte. Warum das elektrische Dach so funktioniert, wie es funktioniert – Drücken Stufe 1, Drücken Stufe 2, gedrückt halten bis ganz zu – wer weiß es, und warum es bei offenem Dach schnell mal wummert und sogar der Wunsch nach einem Windschott wach wird – man verzeiht es dem Kleinen einfach. Lesen Sie mal, was wir dem 500C noch so alles verzeihen …

Was soll man zu dieser Optik noch sagen? Den Italienern ist es hervorragend gelungen, den Style des Urahns in die Moderne zu übertragen. Und wie groß der neue Kleine ist, merkt man spätestens, wenn er sich mal mit einem seiner Vorfahren auf der Straße trifft.

Eine Palette toller Farben hat ebenso für jeden was dabei, wie die zahllosen Individualisierungsmöglichkeiten vom Rallyestreifen bis hin zu Stadtsymbolen, die Phantasie der Designer kannte keine Grenzen. Aber selbst im schlichten Grau ist der 500C ein echter Blickfang, die großen kleinen Räder, die schicke Chromspange an der Front und am Heck, die Kulleraugen, das bullige Heck, der Auspuff …

Der Jetztzeit wurde mit einer echten, beheizbaren Glasheckscheibe genüge getan und die Farbwahl beim Verdeck lässt weitere Aufmerksamkeit zu, bei unserem Testwagen passend zu den roten Sitzen, und natürlich färbt sich auch der kleine Dachspoiler, der auch die Dritte Bremsleuchte mit aufnimmt, entsprechend um.

Dem heute verwöhnten Autofahrer trägt auch dasjetzt elektrisch zu bedienende Verdeck Rechnung, obwohl sich für den reibungslosen Ablauf durchaus ein Vorabblick in die Bedienungsanleitung lohnen kann. Einmal Drücken und das Verdeck fährt bis zur C-Säule zurück, noch mal Drücken, und das Dach samt Heckscheibe geht ganz auf. Wobei ganz auch nicht ganz richtig ist, ein großer Teil bleibt mitten im Blick des Rückspiegels stehen und beeinträchtigt zusammen mit den breiten C-Säulen ganz schön die Rundumsicht. Dafür behält aber auch die dritte Bremsleuchte eine höhere Position. Schon jetzt ist klar, warum der Winzling eine Einparkhilfe besitzt.

Dass der Verdeckmechanismus nur bis Tempo 60 funktioniert, stört dabei schon ein bisschen. Wie die Tatsache, dass je nach gewählter Verdecköffnung und geschlossenen Fenstern der Kleine schnell mal anfängt zu Wummern und ist alles geöffnet, können windempfindliche Naturen sogar nach einem Windschott rufen.

Ist das Verdeck ganz unten, stört es beim Zugang zum Kofferraum, will man den jetzt öffnen, fährt das Dach – der denkt ja richtig mit der Kleine – automatisch hoch. Leider vergisst er nach dem Schließen des Gepäckabteilchens wieder runter zu fahren. Schließt man das Verdeck, muss man 1x kurz Drücken für Stufe eins, noch mal für Stufe 2 und dann muss man die ganze Zeit den Finger am Drücker lassen, um die letzten 30 cm des Daches zu schließen. Was soll’s, diese Kleinigkeiten kann man dem 500C einfach nicht übel nehmen.

Dafür zaubert einem allein der Blick auf die Kappen der Reifenventile schon wieder ein Lächeln auf die Lippen, denn selbst hier haben die selbstbewussten Fiat-Macher ihr Firmenlogo platziert.

Bleiben wir aber noch einen Moment beim Kofferraum, nicht nur, weil der recht klein ist, sind wir hierschnell fertig. Denn allein durch die eher enge Ladeluke ist mit einer großen Wasserkiste Schluss, auch die hohe Stufe nach der eher hohen Ladekante stört und die Klappe selbst verlangt nach Kraft – Rückenschonend ist anders.

Eigentlich aber auch kein so großes Problem, mit 182 Litern Stauvolumen ist man schnell fertig, wenn man die Rücksitze 50 : 50 geteilt umlegt, gehen 520 Liter rein, durch die kleine Luke kein Vergnügen, da ist man schnell versucht durch’s offene Dach zu beladen.

Kommen wir also nach vorne – nicht auf die Rücksitze, hier ist es für Erwachsene meist eng, die Kopfstützen sind nicht weit genug ausziehbar, man sitzt recht steil und die Sitze merken sich auch nur bedingt die ursprüngliche Stellung (Reihenfolge beim Zurückklappen beachten) – und schon kehrt das Lächeln wieder zurück.

Nicht nur dass die Platzverhältnisse in Reihe eins für einen solchen Winzling gut sind, schon der Einstieg funktioniert bestens und dann empfängt einen ein schicker Materialmix, ein süßes kleines Lederlenkrad, eine frische Gestaltung und ggf. tolle Ledersitze, in unserem Fall als Leder Frau Rot. Steht der kleine zu lange in der Sonne, werden die aber sehr heiß und das Lächeln könnte bei kurzer Hose schnell verfliegen.

Richtig anstrengend könnte auch der Kampf durch die Ausstattungsmöglichkeiten werden, angefangen beim Schlüsseldesign gibt es laut Fiat rund 500.000 Möglichkeiten. Welche auch immer Sie wählen, am fehlenden Platz beim Einführen des Schlüssels ins Zündschloss führt kein Weg vorbei. Auch nicht an der Tatsache, dass man den recht hoch montierten Beifahrersitz nicht weiter runter bekommt. Und für die Möglichkeit, dass bei entsprechender Sonneneinstrahlung die digitalen Anzeigen nicht immer gutablesbar sind hat der Fiat auch keine Alternative.

Drei Stellungen bieten eigentlich die Türen an, was die Öffnungswinkel angeht, aber die Arretierungen sind zu schwach und die Tür fällt nach dem Öffnen gern wieder zu. Und wo wir schon beim Meckern sind: Der Radioempfang war nicht immer gut und die Sitzverstellung für den Fahrersitz liegt direkt neben der Handbremse.

Im Vergleich zur Limousine hat man das Fahrwerk des Cabriolets schon etwas überarbeitet, ein größerer Querstabilisator vorne und ein zusätzlicher Stabilisator an der Hinterachse sowie erhöhte Feder- und Dämpferraten sorgen für ein sportliches Fahrgefühl, auf schlechten Straßen wirkt es aber ein wenig „trocken“.

Zur pfiffigen Optik passt das sportlich-straffe Fahrwerk sehr gut, mit ihm lässt sich der kleine Fiat zackig um die Pylonen im Slalomtest zirkeln oder richtig flott um enge Kehren jagen, wobei aber die Reifen herzerweichend wimmern. In der Sport-Stellung geht das ganze sogar echt noch eine Spur besser, insgesamt zeigt sich der Italiener sehr gutmütig. Immer aber begeistert die sehr direkte und angenehm straffe Lenkung, fast wie in einem Rennwagen kommt man mit wenig Lenkeinschlag zurecht. So hat man stets ein gutes Gefühl für die Straße und selbst bei Topspeed auf der Autobahn liegt der Zwerg richtig sicher.

Auf der anderen Seite lässt sich der 500C dank elektrischer Servounterstützung im Stand oder bei langsamer Fahrt kinderleicht lenken und sich so, trotz des mit 10,60 Metern recht großen Wendekreises spielerisch einparken und manövrieren.

ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) kommen auch in der offenen Version zum Einsatz und damit haut der Fiat bei einerVollbremsung richtig gut rein, auch hier unterstreicht ein lautes Reifenquietschen den Bremsvorgang, bei dem der 500C aus Tempo 100 nach guten 38 Metern zum Stillstand kommt. Im normalen Fahrbetrieb lässt sich die Bremse gut dosieren und springt spontan an.

Unter der kleinen Haube unseres 500C schlug ein vergleichsweise großes Vierzylinder-Herz mit 1,4 Litern Hubraum und 73,5 kW/100 PS. Dazu gesellt sich ein maximales Drehmoment von 131 Nm bei 4.250 U/min. Der vorne quer eingebaute 16-Ventiler mit zwei obenliegenden Nockenwellen und elektronischer Benzineinspritzung überträgt seine Kraft über ein serienmäßiges Sechsgang-Schaltgetriebe auf die Vorderachse.

Richtig eingefahren schafft er damit den Sprint von Null auf Hundert in 11,0 Sekunden und wird 182 km/h schnell, dabei begleitet ein kernig-niedlicher Sound den Vortrieb, und wenn man flott sein will, muss man den Kleinen ordentlich bei Drehzahllaune halten.

Nur gut, dass der kleine Schalthebel nur so durch die Kulisse flutsch und so die Gangwechsel richtig Laune machen, das Getriebe verkneift sich sogar sonst übliche Holperer über die Leerlaufstellung. Die oberen Gänge sind allerdings auch recht lang übersetzt, was den Durchzug bei Tempo 80 im fünften Gang doch recht zäh werden lässt. Der Verbrauch zeigt sich vor allem in der Stadt aber recht hoch, 7,7 Liter Super sind hier schon recht viel für so einen kleinen Zwerg, außerorts sind es noch 5,1 Liter. Auf unserer Normstrecke haben wir 6,3 Liter auf 100 km verbraucht, der Autobahnanteil mit Tempo 130 macht sich hier zusätzlich negativ bemerkbar. Der CO2-Ausstoß liegt im Mix bei 140 g/km, der Motor erreicht die Abgasnorm Euro5.

Wer hier mehr sparen will, kann diese Motorisierung auch mit Start-Stopp ordern, dannsinkt der Verbrauch um einen halben Liter. Nachdem der 500er zumeist nicht für Langstrecken eingesetzt werden dürfte, macht sich der nur 35 Liter kleine Tank auch nicht so negativ bemerkbar. Unserem Testwagen fehlte auch eine Schaltpunktanzeige, die vielleicht zusätzliche Anreize zum Spritsparen bringen könnte.

Im offenen 500er muss keiner mehr Angst haben als in der Limousine, bleiben doch die gesamten Dach-Säulen und –Streben stehen, wenn das Verdeck geöffnet wird und zudem ein Überrollschutz mit verstärktem Dachrahmen zum Einsatz kommt.

Und was die lebensrettenden Luftsäcke angeht, macht der Kleine einen auf ganz Großer: Zwei Frontairbags, zwei Seitenairbags vorne, zwei durchgehende Kopfairbags vorn und hinten sowie ein Knieairbag für den Fahrer, dazu Dreipunkt-Sicherheitsgurte rundum mit doppelten Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern vorn, Kopfstützen auf allen Plätzen, Sitze mit Anti-Submarining-Struktur und ISOFIX-Befestigungspunkte hinten.

Einen Preis für den Fait 500C zu nennen, ist fast unmöglich, oder besser gesagt völlig unnötig, denn neben dem „normalen“ Modell haben Sie dermaßen viele Personalisierungsmöglichkeiten (mit und ohne Aufpreis), dass es den Rahmen eines solchen Testberichtes sprengen würde, auf wirklich alle Dinge einzugehen.

Deshalb hier zur Orientierung nur der Preis für den Fiat 500C, 1.4 16V mit 100 PS in der Ausstattungslinie Lounge: 18.100,- Euro. Das ist schon ganz schön viel, auch wenn dann nicht nur das Lederlenkrad und Alufelgen mit dabei sind und sich die Ausstattung durchaus sehen lassen kann.

Das Schöne ist, dass trotz der zahllosen Personalisierungsmöglichkeiten die weiteren Ausgaben durchaus überschaubar bleiben, aber bitte werfen Sie dazu einfach mal einenBlick in die Prospekte oder besuchen Sie am besten gleich einen Fiat-Händler.

Die Versicherungseinstufungen für den 1.4 16V betragen bei der Teilkasko 17, Vollkasko 14 und bei der Haftpflicht 16.

Stand: Oktober 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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